FeedKieselsäure
NaturlehreBrockhaus 1882

Kieselsäure, Kieselerde, Siliciumdioxyd Si0O:, kommt in der Natur ungemein verbreitet vor, teils in freiem Zustande, teils in Form von Salzen oder Silicaten. Die freie K. tritt teils krystallisiert oder krystallinisch, teibs amorph auf; in ersterer Form im Bergkrystall und Quarz, in letzterer im Feuerstein, Chalcedon, Achat u. a. Sie ist ein normaler Bestandteil aller Pflanzen, variiert jedoch der Menge nach in den einzelnen Pflanzenarten und Pflanzenteilen sehr. Im Körper der höhern Tiere findet sie sich nur in minimalster Menge und dann auch nur in den der Körperaußenfläche angehörenden Organen, Federn, Haaren, Nägeln, Klauen u. s. w.; bei einzelnen Panzertieren ist nißt, sind unter C aufzusuchen. sie in großer Menge in dem Panzer vertreten, so bei den Diatomeen, deren massenhafte Ansammlung von vorweltlicher Zeit uns in Lagern von sog. Infusorienerde erhalten ist. In reiner Form ist die K. in Wasser, in allen Säuren (mit Ausnahme der Fluorwasserstoffsäure), in verdünnten Alkalien völligunlöslich; die amorphe K. löst sich leicht in konzentrierten Alkalien, auch in kohlensaurem Natron und unterscheidet sich hierdurch von der krystallisierten. Sie widersteht den durch gewöhnliches Heizmaterial zu erzeugenden Wärmegraden, schmilzt aber im Knallgasgebläse. Beim Schmelzen mit kohlensaurem Alkali wird die K., unter Bildung von in Wasser löslichem Alkalisilicat, gelöst. Verdünnte Lösungen von Alkalisilicaten werden durch Säuren unter Freiwerden von Kieselsäurehydrat, welches, wenn genügend Flüssigkeit vorhanden ist, völlig gelöst bleiben kann, zerlegt; konzentriertere Lösungen verwandeln sich nach kurzer Zeit in eine durchsichtige, feste Gallerte, in welcher das Kieselsäurehydrat die Gesamtmenge der Flüssigkeit aufgesogen enthält; beim Trocknen geht die Kieselsäuregallert in ein höchst fein verteiltes, höchst lockeres, amorphes Pulver über, welches bei erhöhter Temperatur unter Abgabe von Wasser zu gewöhnlicher amorpher Kieselsäure wird. Die K. verbindet sich mit allen anorganischen Basen zu Salzen, die man gewöhnlich Silicate nennt. Zu diesen gehört eine große Gruppe von Mineralien, der Feldspat, Glimmer u. v. a., die zum Teil als Gebirgsmassen, wie Granit und Porphyr, zum Teil als Verwitterungs-und Zertrümmerungsprodukte solcher Gebirgsmassen, wie Thon, Lehm, große Strecken der Erdoberfläche bedecken.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 266Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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