FeedAmeisensäure
NaturlehreBrockhaus 1882

Ameisensäure, 1060011 äure (Acidum formicum), CH, O, oder HCOOH, ist in konzentrierter Form eine farblose, stark sauer riechende und brennend schmeckende Flüssigkeit, die, auf die Haut gebracht, ätzend wirkt, unter 0e in Blättchen krystallisiert und bei 99 siedet. Ihr spezifisches Gewicht ist 1,23. Sie findet sich in den Ameisen und in den Brennstacheln und Giftorganen anderer Insekten, außerdem im Schweiß und andern Sekreten des Tierkörpers. Sie kommt ferner vielfach verbreitet im Pflanzenreich vor, so in den Brennesseln, in faulem Koniferenholze, sowie in den Tannennadeln, worin sie durch Orydation des Terpentinöls entstanden ist. Sie bildet sich bei zahlreichen chem. Prozessen, so z. B. bei der Destillation von Zucker, Stärke, Weinsäure mit Braunstein (Mangansuperoxyd) und Schwefelsäure; bei der Orydation von Holzgeist Methylalkohol) in derselben Weise, wie Essigsäure aus dem gewöhnlichen Alkohol sich bildet; durch Kochen von Blausäure (Cyanwasserstoffsäure) mit überschüssiger Natronlauge, wobei neben ameisensaurem Natron Ammoniak sich bildet; durch direktes Zusammentreten von Kohlenoxydgas mit Wasser; endlich beim Erhitzen eines Gemenges von Oxalsäure mit Glycerin, wobei man infolge der Zer-Hie A. der Oxalsäure große Mengen von A. erhält. Die A. erzeugt sich auch bei der Bildung des Bittermandelöls neben Zucker bei der Zersetzung des Amygdalins, neben Chloroform bei der Spaltung des Chloralhydrats u. s. w. Sie ist der wirksame Bestandteil des Ameisenspiritus (s. d.). Zu ihrer Darstellung wählt man am besten die von Berthelot angegebene Methode: 1000 g krystallisierte Gralsäure übergießt man mit 1000 g sirupdickem Glycerin und 200 g Wasser, erwärmt 12 Stunden lang im Wasserbade auf 100 C., wobei eine Spaltung der Oralsäure in entweichende Kohlensäure und gelöst bleibende A. erfolgt. Der Rückstand im Gefäß wird mit etwa 500 g Wasser versetzt und destilliert, wobei man in dem Maße, wie die Destillation erfolgt, von Zeit zu Zeit Wasser nachgießt, bis 6—7 in einer wässerigen A. übergegangen sind. Im Destillationsapparat verbleibt reines Nut man welches immer wieder zu benutzen ist. Will man aus der verdünnten Lösung die reine Säure gewinnen, so sättigt man mit kohlensaurem Natron, verdampft im Wasserbade zur Trockne und destilliert 7 Teile des trockenen Natronsalzes mit 10 Teilen Schwefelsäurehydrat und 2 Teilen Wasser bei möglichst niederer Temperatur. So enthält sie etwa 80 Proz. reine Säure. Würde man ohne Wasserzusatz destillieren, so würde ein großer Teil der A. in Kohlensäure und Wasser gespalten werden. Wasserfrei ist A. nur durch sehr vorsichtiges Erwärmen von trockenem ameisensauren Blei im Strome von getrocknetem Schwefelwasserstoff zu erhalten. Ihrer Eigenschaft wegen, die Oxyde der edeln Metalle mit Leichtigkeit zu reduzieren, 36 man sie in der Photographie statt der Pyrogallussäure anzuwenden versucht. Die Salze der A. haben mit denen der Essigsäure große Ahnlichkeit, unterscheiden sich aber von diesen dadurch, daß ameisensaure Salze salpetersaures Silber beim Erwärmen . Metall reduzieren, was jene nicht Reid Die A. ist das Anfangsglied einer langen eihe von homologen Säuren, die sich von ihr dadurch ableiten, daß der außerhalb der Atomgruppe C00H stehende Wasserstoff durch die Atomgruppe CH, oder durch dieser homologe Atomgruppen ersetzt wird; das nächste Glied der Reihe ist demnach CH, CO0H oder die Essigsäure, das folgende C1 Hs CO0H oder die Propionsäure u. s. f.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 534Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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