Kleinrußland, auch wohl Ukraine (s. d.) im weitern Sinne genannt, heißt im Gegensatze zu Großrußland ein Landstrich im Süden des europ. Rußland, von Großrußland, den poln. Provinzen und Südrußland umgeben, der aus den vier Gouvernements Kiew, Charkow, Tschernigow und Poltawa besteht, 207 789 akm mit (1882) 8974 881 E. umfaßt und zu den bevölkertsten Ländern Rußlands gehört. Auch ist K. eins der fruchtbarsten und wohlhabendsten Länder und die eigentliche Kornkammer des Reichs. Lange Zeit war hier der Hauptsitz des Russischen Reichs, und schon der nowgorodische Großfürst Oleg verlegte 882 den Herrschersitz von Großnowgorod nach Kiew, von wo er infolge des Eindringens der Tataren, seit 1238, nach Moskau verlegt wurde. K. blieb in den Händen der Tataren, bis 1320 der Großfürst von Litauen, Gedimin, das Reich eroberte, welches nun unter litauische und dann unter poln. Herrschaft kam, als 1386 durch Wladislaw II. Jagello Litauen mit Polen vereinigt wurde. Unzufrieden damit, begab sich ein Teil der Bevölkerung namentlich in die Provinzen jenseit des Dnjepr, wo er ein freies, umherschweifendes Leben führte, sich jedoch 1654 dem russ. Scepter unterwarf. In den J. 1667 und 1686 traten die poln. Könige diesen Teil von K., der nun die Russische Ukraine, d. i. das russ. Grenzland, genannt wurde, den Russen ab, und 1781 und 1782 bildeten diese hieraus die drei Gouvernements Kiew, Tschernigow und Nowgorod—⸗ Sewerskoi, welches letztere später den Namen Poltawa erhielt. Erst bei der zweiten Teilung Polens 1793 kam auch die westwärts vom Dnjepr gelegene Polnische Ukraine an Rußland, worauf 1796 ein neues Gouvernement Kiew gebildet wurde. Bevor noch diese Vereinigung der russ. mit der poln. Ukraine stattgefunden Leuti⸗ war auch die sog. Slobodische Ukraine, das heutige Gouvernement Charkow, durch Einwanderung vieler Kosakenfamilien aus den beiden Ukrainen entstanden. Die Bevölkerung besteht meist aus Kleinrussen (s. d.) und gehört meist der griech. russ. Kirche an.