Ukraine, d. h. Grenzland, nannte man in Polen seit der Eroberung Kiews durch die Litauer 1320 die äußerste Grenze gegen die Tataren und andere nomadische Stämme. Später verstand man unter U. den ausgedehnten fruchtbaren Landstrich an den Ufern des mittlern Dnjepr nebst den Sitzen der Kosaken mit ziemlich schwankenden Grenzen. Diese Gegenden, bis auf Peter d. Gr. ein beständiger Streitpunkt zwischen Rußland und Polen, machen den größten Teil Kleinrußlands aus, welcher Name zuerst um 1654 aufgekommen zu sein scheint, wo zehn Kosakenregimenter auf der Ostseite des Dnjepr sich freiwillig dem russ. Scepter unterwarfen. Durch den Vertrag von Andrussow 1667 und den Frieden zu Grzymultowsk von 1686 traten die Könige von Polen diesen auf der Ostseite des Dniepr gelegenen Teil Kleinrußlands (die sog. russische U.) ab, während die kleinruss. Kosaken auf der Westseite jenes Flusses (welches Land nunmehr polnische U. genannt wurde) vorläufig noch unter poln. Herrschaft verblieben, bis endlich 1793 auch dieses Land durch die zweite Teilung Polens an Rußland fiel. Diese polnische U. bildet jetzt das russ. Gouvernement Kiew, jedoch ist ein Teil derselben noch zum Gouvernement Podolien geschlagen worden. Aus der russischen U. waren ursprünglich die drei Gouvernements Nowgorod-Sewerskoi, Tschernigow und Kiew hervorgegangen; an der Stelle des erstern, welches bald wieder einging, wurde das Gouvernement Pultawa errichtet. Der Name U. ist jetzt nur noch historisch, denn auch das Gouvernement der slobodischen U., einer vom Donetz durchströmten, im Osten von Pultawa gelegenen Provinz, wird jetzt Gouvernement Charkow genannt.