Kurland (lett. Kursemme, russ. Kurlanskaja oder Mitawskaja Gubernija, d. h. kurländ. oder it, sind unter C aufzusuchen. mitausches Gouvernement), die südlichste der russ. Ostseeprovinzen, wurde in heidnischer Zeit zum größten Teil von Kuren, 220 von Semgallen und Selen bewohnt. Seit der Mitte des 13. Jahrh. unterwarfen sich diese Völker dem deutschen Ordensstaate Livlands und nahmen das Christentum an. Seitdem bildete K. einen Teil des großen livländ. Ordensstaates bis zu dessen Auflösung 1562, worauf K. ein Erbherzogtum unter poln. Oberlehnshoheit mit dem letzten livländ. Ordensmeister Gotthard Ketteler (s.d.) wurde. Als 1737 der Stamm Ketteler erlosch, kam mit Hilfe der russ. Kaiserin Anna (s. d.) Graf Biron (s. d.) zur kurländ. Herzogswürde, bis mit der Auflösung des Königreichs Polen 1795 sich K. freiwillig dem russ. Scepter unterwarf. I. Das jetzige Gouvernement K. wird im N. von Livland und dem Rigaschen Meerbusen, im W. von der Ostsee, im S. von Preußen und dem russ. Gouvernement Kowno und im NO. vom Gouvernement Witebsk umgrenzt. Es umfaßt 27 286 am mit (1881) 688 440 C. und ist von den drei balt. Provinzen die fruchtbarste. Das Klima ist mild und gesund. K. ist reich an Torf, Braunkohle, an Obst (selbst Pfirsiche, Aprikosen und zuweilen Weintrauben reifen im Freien), Halmfrüchten, namentlich Weizen von vorzüglicher Qualität, und Flachs, an Nadel⸗ und Laubholz; selbst die Weißtanne und Rotbuche wachsen hier noch wild, obgleich in manchen Gegenden bereits Holzmangel herrscht. In den Wäldern sind die wilden Tiere und das Wildbret durch die vielen Jagdliebhaber fast ausgerottet, am häufigsten findet man noch Hasen und Rehe. hat über 300 Landseen, von denen 200 allein auf den Selburgschen Kreis kommen. Die bedeutendsten aber sind der Angernsche, Usmaitsche und Libausche See; sie sind alle fischreich, wie die meisten kurländ. Flüsse. Unter den Flüssen ist außer dem Grenzfluß, der Düna, noch die kurische oder Semgaller oder Bolder Aa, die Windau und die heilige Aa besonders zu nennen. K. ist ein Hügelland und manche Gegend hat einen vollständigen Bergcharakter, wie z. B. die Gegend von Tuckum mit dem 200 mhohen Hünings⸗ oder Riesenberg. K. umfaßt 698 Landgüter, von denen 175 der Krone gehören, 11 Städte, 10 Flecken, 9 Freidörfer, von denen 7 den sog. Kurischen Königen (s. d.) angehören. Drei Viertel der Einwohner sind Letten luth. Konfession, die übrigen Deutsche, Hebräer, Russen, Polen, Litauer, Weißrussen, Kuren, Kreewingen und Zigeuner; die verbreitetsten Sprachen sind aber die deutsche und russische. Vgl. Cruse, «Geschichte K.s unter den Herzögeno (2 Bde., Riga 1833—37); Schwartz, K. im 13. Jahrh. bis zum Regierungsantritt Bischofs Edmund von Werdo (Lpz. 1875); Liv⸗, esth-und kurländ. Urkundenbuch (Bd. 1—7, Riga 1852—81); „Fünfzig Jahre russ. Verwaltung in den baltischen Provinzeno (Lpz. 1883).