FeedKnochenbearbeitung
TechnikBrockhaus 1882

Knochenbearbeitung oder Beinbearbeitung (frz. osserie, engl. bone-turner's work), die Bearbeitung der stärkern Röhrenknochen meist des Rindes durch Drehen und Schnitzen, eine Industrie, welche namentlich in Nürnberg, Fürth, sowie in Geislingen (Württemberg) zahlreiche Gegenstände, wie Knöpfe, Dominosteine, Falzbeine, Schachfiguren, Messer- und Gabelhefte, Broschen u. s. w. liefert, welche zum Teil an Feinheit und Schönheit den in derselben Weise aus Elfenbein hergestellten gleichkommen. Die Knochen werden zu diesem Zweck einer Vorbereitung durch Auskochen, Absägen der Enden und Bleichen unterworfen, welch letzteres durch Auskochen mit Pottaschenlauge geschieht. Zur Verkleinerung bedient man sich einer Handsäge, die der Bogenfeile der Schlosser ähnlich ist, oder auch einer kleinen Kreissäge mit feinen, nicht geschränkten Zähnen. Die weitere Ausarbeitung erfolgt auf der Drehbank mit Anwendung mittelgroßer Feilen, des Schabmessers, der Fräsen, Bohrer, Metallhobel u. s. w. Bei ordinären Arbeiten findet das Schleifen mit Schachtelhalm, das Polieren mit Beinspänen statt; feinere Arbeiten werden mit Bimsstein geschliffen und mit Schlemmkreide oder Kalk und Seife naß poliert. Manche Artikel aus Knochen oder Bein werden rot gefärbt. Zu den als Belegung der Klaviertasten dienenden weißen Beinplatten werden Hirschknochen verwendet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 371Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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