FeedKammfabrikation
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Kammfabrikation, die fabrikmäßig betriebene Herstellung der Haarkämme, deren wesentlichste Arbeiten in der Zubereitung entsprechend geformter Platten, im Einschneiden und Zuspitzen der Zähne bestehen. Dem gewöhnlichen Hausbedarf dienen die Horn⸗ und Kautschukkämme; feinere Kämme werden aus Schildpatt und Elfenbein, sowie aus Buchsbaum⸗ und Ebenholz, ordinäre Sorten, besonders zum Kämmen der steifen Haare der Haustiere, aus Messing und andern Legierungen verfertigt. Über die vorbereitenden Operationen zur Fabrikation der Hornkämme s. unter Horn. Die Hornplatten müssen, weil die zu bildenden Zähne spitz zulaufen, an den betreffenden Stellen keilförmig zugeschärft werden. Schildpatt und Elfenbein erfordern weit weniger Vorarbeit. Das erstere kommt schon in dünnen, schwach gebogenen Platten im Handel vor, die man mittels einer Laubsäge in Stücke von passender Größe zerschneidet; diese Stücke werden mäßig erwärmk, zwischen warmen Eisenplatten gerade gepreßt und mittels der sog. Bestoßfeile vollkommen geebnet. Zu Elfenbeinkämmen wird sowohl der hohle als der massive Teil des Zahns verarbeitet, und zwar zerschneidet man diesen in Platten, jenen in Streifen, worauf beide mittels des Behaumessers und der Hand- oder Stoßfeile geglättet werden. Auch die zur K. verwendeten Holzarten lassen sich mittels Sägen und Feilen leicht zu dünnen Platten verarbeiten. Die Zähne werden mittels sägenartiger Werkzeuge durch Einschneiden bis zu einer gewissen Tiefe nach vorgezeichneten Linien hervorgebracht, hierauf mittels der Spitzfeile zugespitzt und an ihren Kanten abgestumpft. Namentlich bei der Herstellung der Kautschukkämme wendet man zum Formen der Zähne mit Vorteil Maschinen an, durch welche stets gleichzeitig zwei Kämme in der Weise erzeugt werden, daß bei jedem Schnitt der Messer ein Zahn des einen Kammes eine Zahnlücke des andern bildet. Bei den feinen elfenbeinernen Staubkämmen werden die Zähne einzeln von einer Kreissäge Drahten wobei durch einen an der Maschine angebrachten Mechanismus die Elfenbeinplatte immer um so viel weiter rückt, als der Zahn stark werden soll. Nachdem die Zähne eingesägt sind, werden sie mittels des Handschabemessers an Flächen und Kanten sauber geglättet und dann poliert. Auch werden bisweilen parallel mit den Kanten des Kammfeldes auf der Fläche desselben mittels der sog. Falzer (Messer mit umgebogener scharfer Spitze) Nuten von verschiedener Form und Größe hervorgebracht, während man Zacken, kleine bogenförmige Vertiefungen u. s. w. an den Kanten des Feldes durch Bearbeitung derselben mittels verschieden aretwn Feilen erhält. Durchbrochene Muster zeichnet man auf dem Kammfelde vor und sägt sie dann mit der Laubsäge aus; gepreßte Verzierungen sowie flache Dessins werden in einer zweiteiligen, gut durchwärmten Metallform durch allmählich verstärkten, anhaltenden Druck hervorgebracht. Die Erweichung durch Wärme bietet dem Kammmacher auch die Möglichkeit, fertige Kämme aus Horn oder Schildpatt beliebig zu biegen, indem er sie über Kohlenfeuer erwärmt, ihnen die gewünschte Krümmung gibt und sie hierauf so lange in dieser Lage erhält, bis sie vollständig ausgekühlt sind, wonach sie die gebogene Form beibehalten. Ein etwaiges Beizen des Horns, wodurch demselben ein dem Schildpatt ähnliches Aussehen erteilt wird, fällt stets am schönsten auf derjenigen Seite aus, welche im natürlichen, unzerteilten Zustande des Horns die innere war.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 54Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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