FeedKnoten
HimmelskundeBrockhaus 1882

Knoten (vom altdeutschen chnodo) ist zunächst die Bezeichnung für eine rundliche, feste Erhöhung an einem Körper, dann insbesondere eine solche, wenn sie durch fest zusammengezogene Verschlingung biegsamer Körper entstanden ist, wie z. B. der K. eines Fadens, eines Tuchs u. s. w. In übertragener Bedeutung bezeichnet man dann auch mit K. eine Verwickelung der Verhältnisse und spricht in dieser Hinsicht von einem Gordischen Knoten als einer unlösbaren Verwickelung etc.; ferner eine Verbindung mehrerer zusammenlaufender Linien, wie z. B. Wegknoten, Eisenbahnknotenpunkt etc. In der Poetik und Dramaturgie bezeichnet man mit Knoten den äußersten Punkt der Verwickelung in der Handlung, dessen Schürzung nach dem natürlichen Verlauf der Handlung, dessen Lösung nicht gewaltsam (. Deus ex machina), sondern als das notwendige Ergebnis der Handlung vor sich gehen muß. In der Geometrie nennt man Knoten bei krummen Linien denjenigen Punkt, in welchem sich zwei zusammenhängende Teile der Kurve schneiden, sodaß dadurch eine blattähnliche Figur entsteht. In der Astronomie bezeichnet man damit den Durchschnittspunkt zweier größten Kreise der scheinbaren Himmelskugel. Im engern Sinne bezeichnet man in der Astro-⸗ nomie mit Knoten den Durchschnittspunkt zwischen der Ekliptik und einer Planeten-oder Kometenbahn und versteht unter einer Knotenlinie diejenige gerade Linie, in welcher die Ebene der CEkliptik von der Ebene einer Planeten⸗ oder auch einer Kometenbahn geschnitten wird. So ist z. B. die Knotenlinie der Mondbahn diejenige gerade Linie, in welcher die Ekliptik von der Ebene der Mondbahn geschnitten wird, und der Punkt derselben, in welchem der Planet (der Mond) über die Ekliptik sich gegen Norden erhebt, heißt der aufsteigende, der steigende K. Da die Planeten und Monde bei ihrem je nächsten Umlauf infolge der Störungen die Ekliptik stets in einem westlicher gelegenen Punkte durchschneiden, als der vorige Durchschnittspunkt war, so sind die K. der Planetenbahnen keineswegs fest, sondern rücken langsam von Osten nach Westen und vollenden ihren Lauf in Beziehung auf die Nachtgleichen meist in sehr langen Perioden, beim Monde aber schon in etwa 19 Jahren oder genauer in 6798 Tagen. Die Zeit, welche der Mond braucht, um wieder zu demselben K. zurückzukehren, nennt man den Drachenmonat (der aufsteigende K. heißt auch Drachenkopf, der niedersteigende der Drachenschwanz); er ist kürzer als der gewöhnliche (synodische) Monat, weil die K. gleichsam dem Monde entgegenrücken. Da das Eintreten von Finsternissen der Sonne und des Mondes wesentlich von der Lage der Mondsknoten abhängig ist, so kehren die Finsternisse in dem Cyklus von etwa 19 Jahren in nahe derselben Reihenfolge wieder. Die genaue Kenntnis der Bewegung der Mondsknoten ist auch für die Berechnung aller durch den Mond erzeugten Störungen von großer Wichtigkeit. Bei der Berechnung der Planeten- und Kometenbahnen ist die Länge des aufsteigenden K., d. i. der Abstand desselben vom Frühlingspunkte, eins der notwendigsten Elemente, ohne dessen genaue Kenntnis man den Ort des Weltkörpers mit Sicherheit voraus zu berechnen nicht im Stande ist. rmißt, sind unter C aufzusuchen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 377Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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