Köchly (Herm. Aug. Theod.), verdienter Philolog und Altertumsforscher, geb. 5. Aug. 1815 zu Leipzig, besuchte die Fürstenschule zu Grimma, studierte zu Leipzig unter Gottfried Hermann Philologie, wurde 1837 Lehrer am Progymnasium zu Saalfeld und 1840 Lehrer an der Kreuzschule in Dresden. In dieser Stellung machte er sich auf dem Gebiete der Gymnasialreform verdient, indem er dem einseitigen überwiegen der grammatikalischkritischen Behandlung der Schriftsteller entgegentrat und dafür das histor. Prinzip in den Vordergrund stellte. Im Febr. 1849 wurde er in die sächs. Zweite Kammer gewählt, in der er zur gemäßigten Linken gehörte; doch sah er sich infolge der Maikatastrophe von 1849 genötigt, sein Vaterland zu verlassen. Er wurde 1850 Professor der griech. und röm. Litteratur in Zürich und 1864 in Heidelberg. In der Legislaturperiode 1871 — 73 vertrat K. den 14. sächs. Wahlkreis (Borna-Pegau) im Deutschen Reichstage, wo er der Fortschrittspartei angehörte. Im Spätherbst 1876 unternahm er eine Reise nach Griechenland und starb an den Folgen eines Sturzes vom Pferde auf der Rückreise in Triest 3. Dez. 1876. Außer kritischen Ausgaben des Hesiodus (Lpz. 1870), des Quintus Smyrnäus (Lpz. 1850; Handausgabe, Lpz. 1853), des Nonnus (2 Bde., Lpz. 1857—58) und des Aratus, Manetho und Maximus (Par. 1851) veröffentlichte er sieben Dissertationen De Iliadis carminibuso (Zür. 1856—59), nebst der Abhandlung «Hektors Lösungo (Zür. 1859) und der Ausgabe der nach seiner Ansicht echten Lieder der Ilias unter dem Titel Iliadis carmina XVI scholarum in usum restitutay (Lpz. 1861) und drei Dissertationen De Odysseae carminibuso (Zür. 1862 — 63), ferner die „Opuscula epicas (Zür. 1864), De diversis Hesiodeae Theogoniae parti⸗- busp (Zür. 1860) u. a. m. Viele Anerkennung erfuhr die von K. mit W. Rüstow bearbeitete „Geschichte des griech. Kriegswesenso (Aarau 1852), sowie eine Sammlung der «Griech. Kriegsschriftstellero mit deutscher Übersetzung und Erläuterung (Bd. 1 u. 2, Lpz. 1853 —55) und die «Einleitung in Cäsars Kommentarien über den Gallischen Krieg⸗ (Gotha 1857), bei denen Rüstow ebenfalls Mitarbeiter war. Kis letzte größere Arbeit war eine Biographie seines Lehrers G. Hermann Geidelb. 1875). Seine Gesammelten kleinen Schrifteno erschienen in zwei Bänden (Lpz. 1881 — 82). Vgl. A. Hug, «Herm. Köchlyb (Basel 1878).