FeedKolonne
BaukunstBrockhaus 1882

Kolonne (vom lat. columna, Säule) heißt in der Taktik die Aufstellungsform der Truppen, bei welcher die einzelnen Abteilungen, z. B. Züge, Kompagnien, Schwadronen, hintereinander stehend eine tiefe Masse bilden. Sind die Abstände der Abteilungen so groß als ihre Frontlänge, so heißt die K. eine geöffnete, wenn sie dagegen geringer sind, eine geschlossene, auch wohl eine Masse. Je nachdem die Spitze der K. aus der Abteilung vom rechten oder linken Flügel oder aus der Mitte der Linie gebildet ist, nennt man die K. rechts, links oder aus der Mitte abmarschiert(Flügelkolonne, Doppelkolonne). Mehrere K. mit größern Zwischenräumen nebeneinander auf gleicher Höhe bilden zusammen eine Kolonnenlinie. Die vorderste Abteilung nennt man die Téte, die hinterste die Queue. Dem Zwecke nach teilt man die K. in Marsch⸗, Manövrier⸗ und Gefechtskolonnen. Marschkolonnen haben gewöhnlich eine schmale Front, um auf allen Wegen fortzukommen. Manövrierkolonnen müssen eine genügende Breite und weniger Tiefe haben, um leichter und schneller andere Richtungen gewinnen und ihre Formation verändern zu können. Gefechtskolonnen spielten bis zu den neuesten Kriegen für die Infanterie eine wesentliche Rolle, und man schrieb den Bataillonskolonnen nach der Mitte große Vorzüge zu, Die Erfahrungen des Kriegs von 1870 und 1871 haben jedoch dahin geführt, die Bataillonskolonne nach der Mitte der Gefechtskolonne gänzlich zu verwerfen und sie hauptsächlich nur als Grund-Rendezvousstellung der Infanterie beizubehalten. Dagegen bilden gegenwärtig die Kompagniekolonnen die einzigen im wirksamen Feuerbereich anwendbaren Kolonnenformationen der Infanterie. Andere Kolonnen würden den heutigen Feuerwaffen gegenüber ohnmächtig zerschellen. Selbst gegen Kavallerieangriffe bildet die Infanterie jetzt nicht mehr K. und Quarrés, sondern empfängt dieselben nötigenfalls in der Einzelordnung, die das Charakteristische des modernen Infanteriegefechts bildet. Bei der Kavallerie ist die Attacke in K. allerdings imposant, aber sie bringt doch nur die vorderste Abteilung zum wirklichen Choc und Waffengebrauch. Die K. der Kavallerie ist schwerfällig, ihre Einbruchskraft wird dadurch vermindert, sie erleidet im feindlichen Artilleriefeuer große Verluste und kann bei einreißender Unordnung leicht ganz gefechtsunfähig werden. Dennoch wird die Kolonnenattacke zuweilen notwendig und hat auch Erfolge, z. B. im beschränkten Terrain, gegen aufgelöste feindliche Schwärme oder wo der Moment sofort benutzt werden muß und keine Zeit zum Aufmarsch ist, gegen Aufstellungen von geringer Front und gegen erschütterte Streitkräfte im Moment der letzten Entscheidung. Die Artillerie kann natürlich nur in Linie feuern; die K. dient ihr zur Aufstellung oder Bewegung außerhalb des feindlichen Feuerbereichs. Wenn eine Armee in Schlachtordnung vorrücken oder zurückgehen will, so kann dieses gleichzeitig nur in mehH . rern K. geschehen, welche ungefähr in gleicher Höhe, in gewissen Abständen und parallelen Richtungen zueinander marschieren. Selten wird man jedoch so viele Parallelwege vorfinden; man muß deshalb die fehlenden selbst herstellen. Man steckt deshalb, mit Benutzung der sich vorfindenden gebahnten Wege, sog. Kolonnenwege in der gegebenen Richtung auf dem Terrain aus, bezeichnet sie mit Strohwischen (jalons) und räumt die der Bewegung der Truppen entgegenstehenden Terrainhindernisse weg, füllt Moräste aus, legt Laufbrücken über Gräben und Bäche, haut Lichtungen durch Wälder etc.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 427Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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