Kolorit (ital.), d. h. Farbengebung, Färbung. Die Farbe ist es, die den Maler zum Maler macht, die seinen Werken individuelle Lebendigkeit verleiht und aus dem abstrakten Zustande der Zeichnung befreit. Hat die Skulptur es hauptsächlich mit der Körpergestalt zu thun, die sie in leibhaftiger Rundung Leherpolle r so ist es Aufgabe der Malerei, das Lebensvolle hinzuzufügen und den Schein der Rundung der Gestalten auf der Fläche hervorzubringen. Beides geschieht wesentlich durch die Farbe. Zunächst gibt das Hell und Dunkel, welches schon in der Zeichnung die Rundung der Gegenstände, ihre Entfernung, Hebung, Senkung u. s. w. wiederzugeben vermag, die Grundlage ab. Es bestimmt das eigentliche Erscheinen der Gestalt als einer sinnlichen, es verleiht ihr die Modellierung. Je mehr der Kolorist bis zum äußersten Gegensatz des hellsten Lichts und des tiefsten Schattens vorgeht, desto reichhaltigere übergänge und Vermittelungen hat er anzuwenden, um alles in Fluß und Zusammenhang zu erhalten. Die Art des Lichts und des Schattens hängt von der gewählten Beleuchtung ab, ob es Tageslicht, Sonnen⸗„Mondschein, Kerzenbeleuchtung, klarer oder getrübter Himmel u. s. w. sein soll. Die Bilder entstehen in der Regel für eine bestimmte, als normal angenommene Beleuchtung, für welche das Maleratelier eingerichtet ist.Aus diesem Grunde haben sie dann nicht selten an anderm Platze eine ganz enttäuschende Wirlung durch ihr K. Die Farben müssen so zusammengestellt sein, daß sowohl ihr malerischer Gegensatz als auch die Vermittelung und Auflösung desselben für das Auge vorhanden ist. Ebenso ist die Luftperspektive von Bedeutung. Durch die atmosphärische Luft nämlich, die zwischen den einzelnen Gegenständen liegt, erhalten diese eine Verschiedenartigkeit der Färbung, eine Modifikation ihrer gewöhnlichen Färbung (Luftton), welche besonders in Betracht kommt, wo weite Räume darzustellen sind und worin besonders die Meister der Landschaft einen eigentümlichen Zauber zu bewirken verstehen. Das Schwerste aber in der Malerei ist die Carnation (s. d.), der Fleischton. In der Durchbildung derselben 10 sich stets die größte Verschiedenheit bei den Leistungen der einzelnen Meister und Schulen geoffenbart, veranlaßt von der verschiedenen Art zu schauen und die Farbe im eigenen Sehorgan zu empfinden, weshalb bei dem einen ein Schielen ins Rötliche, bei dem andern ins Bläuliche u. s. w. vorkommt. Erst in neuerer Zeit haben mediz.⸗ optische Untersuchungen zur Ergründung der Ursachen dieser Abweichungen des K. beigetragen. Als ausgezeichnete Koloristen nennt die Geschichte der Malerei die Venetianer zu Anfang des 16. Jahrh., Giorgione und Tizian an der Spitze.