Koloßt (grch.) heißt jede Bildsäule von übernatürlicher Größe. Besonders die ägypt. Kunst, zu deren Charakterzügen die Kolossalität gehört, hat zahllose K., oft aus dem härtesten Gestein, bis zur Größe von mehr als 20 m, hervorgebracht, welche meist Götter oder Könige darstellen und hauptsächlich an den Eingängen der verschiedenen Tempelräume und reihenweise vor den Vorbauten (Pylonen) der Tempel aufgestellt waren. Die meisten derselben sind in sitzender Stellung, doch vertreten nicht selten Pfeiler, an welche stehende mißt, sind unter C aufzusuchen. Kolossalfiguren angelehnt sind, die Stelle von Säulen. Zu den berühmtesten unter den erhaltenen ägypt. Kolossalstatuen gehören die beiden Bilder des Amenhotep oder Amenophis III. (eines Königs der 18. Dynastie), welche, noch 16 m hoch, im westl. Teile des alten Theben (bei Medinet-Habu) emporragen, und von denen der eine später den Griechen als Statue des Memnon (s. d.). galt. Auch die griech. Künstler haben sich vielfach und mit bedeutendem Erfolg in Bildung von Kolossalstatuen versucht. Zu den berühmtesten Schöpfungen dieser Art gehören drei Werke des Phidias: das bronzene Bild der Athena Promachos auf der Akropolis zu Athen, deren Helmbusch und Lanzenspitze schon den von Sunion Heranschiffenden sichtbar war; eine andere Statue derselben Göttin von Gold und Elfenbein (in der sog. chryselephantinen Technik) im Parthenon zu Athen, und die Statue des Zeus aus denselben Stoffen in Olympia. Den Phidias und Praxiteles nennen spätlat. Inschriften als Urheber der beiden, 6mhohen Marmorstatuen der Dioskuren mit ihren Rossen, die jetzt in Rom vor dem Palaste auf dem Monte-Cavallo (Quirinal) stehen, die aber jedenfalls erst in der Kaiserzeit nach griech. Originalen in Rom gearbeitet sind. Ferner ist zu nennen der chryselephantine K. der Hero, den Polyklet für das Heräon bei Argos schuf. Am berühmtesten war der zu den sieben Weltwundern gerechnete Koloß zu Rhodus, welcher den Helios (Sonnengott), die Nationalgottheit der Rhodier, darstellte, von Chares aus Lindos, einem berühmten Schüler des Lysippos, stückweise aus Metall gegossen und nach 12 Jahren, um 290 oder 280 v. Chr., vollendet wurde. Seine Höhe belief sich auf 34 m; er stand am Hafen, nicht aber, wie man früher irrig annahm, mit ausgespreizten Beinen über der Mündung des Hafens, wurde bereits nach 56 oder 66 Jahren nebst einem Theile der Stadt durch ein Erdbeben umgestürzt und infolge eines Orakelspruchs nicht wieder aufgestellt. So lag er, auch noch in den Trümmern ein Gegenstand der Bewunderung, bis der arab. Feldherr Muawiah nach der Eroberung der Insel 653 n. Chr. die Trümmer an einen Juden aus Edessa verkaufte, welcher zur Wegschaffung des Erzes 900 Kamele gebraucht haben soll. Vgl. 5„2 Lüders, Der K. von Rhodus »(Hamb. 1865). Außerdem fanden sich in Rhodus noch hundert andere K. Aus der röm. Zeit ist der Erzkoloß des Nero merkwürdig, der im Auftrage dieses Kaisers von Zenodorus 40 m hoch gefertigt und auf der Höhe der Sacra via aufgestellt, nach Neros Tode dem Sol geweiht, später in ein Bild des Kaisers Commodus verwandelt wurde. Auch die unter dem Namen des Farnesischen Hercules (s. d.) bekannte kolossale Marmorstatue verdient Erwähnung. Die moderne Kunst hat im 18. Jahrh. namentlich den Hereuleskoloß auf Wilhelmshöhe bei Kassel, im 19. Jahrh. die Statue der Bavaria (s. d.), welche König Ludwig I. von Bayern auf der Theresienwiese bei München aufstellen ließ, die des Armin (. Hermanns-Denkmal), die Germania des Nationaldenkmals auf dem Niederwald (s. d.) und die Freiheitsstatue in Neuyork in außergewöhnlichen Dimensionen geschaffen.