FeedKompaß
TechnikBrockhaus 1882

Kompaß oder Boussole nennt man das Werkzeug, mit dessen Hilfe man sich in den Himmelsrichtungen oder Weltgegenden orientieren, namentlich aber auf dem Ocean oder unter der Erde in Bergwerken zurecht finden kann. Wann, wo und von wem der K. erfunden worden sei, läßt sich nicht genau angeben. Gewöhnlich nennt man als Erfinder Flavio Gioja aus Pasitana bei Amalfi im Königreich Neapel, und es scheint ausgemacht zu sein, daß dieser zuerst, um 1302, die Magnetnadel auf eine Spitze setzte und den K. nach den Weltgegenden in acht Striche teilte. Andererseits hat man Beweise, daß die Eigenschaft der Magnetnadel, annähernd nach Norden zu zeigen, bereits früher in Europa bekannt war und eine kompaßähnliche Einrichtung in Frankreich im 12. Jahrh. den Namen Marinette ührte. Die Missionare der Jesuiten fanden die Magnetnadel in China schon vor, wo sie seit undenklicher Zeit bekannt gewesen zu sein scheint. Manche vermuten, daß der Venetianer Marco Polo sie 1295 aus China nach Europa gebracht habe, und führen zur Bestätigung an, daß die Venetianer früher als die Chinesen die Magnetnadel auf einem Stück Kork schwimmen ließen. Außer den Italienern rühmten sich noch mehrere Nationen in Europa, teil an dieser wichtigen Erfindung gehabt zu haben; die Engländer haben die schwebende Aufhängung des Seekompasses angegeben, die Holländer die bequemen Namen der Weltgegenden. Das wesentliche Stück jedes K. (s. beistehende Figur) ist * 50 nach Süden zeigt; jedoch geschieht dies nicht genau in der Mittagslinie, sondern mit einer, se nach der Lage des Beobachtungsortes, bald größern, bald geringern Abweichung nach Osten oder Westen, welche man die Magnetische Deklination nennt (Mißweisungo in der Seesprache). An der Seite der Deklinationsboussole ist ein Fernrohr angebracht, dessen Achse man genau in den astron. Meridian oder in die Mittagslinie bringt. Der Winkel nun, welchen die Längenachse der Magnetnadel mit jenem Durchmesser der Boussole bildet, der zur Fernrohrachse parallel ist, mißt die magnetische Deklination. Die Nadel hat meist die Form eines flachen Rechtecks von sehr geringer Breite und Dicke (ene beträgtetwa 2mm, diese ½ bis 1mm), doch haben die rautenförmigen, nach den Enden spitz zulaufenden Nadeln in mancher Hinsicht Vorzüge; die Breite ist am besten der 40. oder 50. Teil der Länge und etwa viermal so groß als die Dicke. In der Mitte ist die Nadel durchbohrt und mit einem sog. Hütchen von hartgeschlagenem Messing oder poliertem Achat versehen, mittels dessen sie auf der Spitze eines aufrecht stehenden Stifts schwebt. Die äußere Einrichtung des K. ist nach den verschiedenen Anwendungen desselben verschieden, und man unterscheidet in dieser Hinsicht den Schiffskompaß, den Azimuthalkompaß, den Ingenieurkompaß und den Markscheiderkompaß. Der für den Gebrauch der Seefahrer dienende tonmpafhh⸗ Schiffskompaß (See⸗ oder Steuerompaß) Ein in der Regel folgende Einrichtung. Die Nadel ist mit einer kreisförmigen Pappen⸗ oder Papierscheibe bedeckt, welche die Windrose heißt und einen Stern von 32 Strahlen enthält, deren Spitzen die Weltgegenden anzeigen, außerdem aber am Rande die Teilung von 360 Grad. Der Festigkeit halber ist die Windrose auf ein Stück russ. Marienglas geklebt. Die Befestigung der Rose auf der Nadel muß so gemacht sein, daß der Nordpol der Nadel mit dem Nordpunkte der Windrose übereinstimmt. Wegen der starken Schwankungen des Schiffs ist die Nadel mit einem cylindrischen Gehäuse von Kupfer umgeben, das zwischen zwei Ringen aufgehängt ist, wodurch bewirkt wird, daß sie immer in horizontaler Lage bleibt. Das Gehäuse selbst bewegt sich nämlich mittels zweier daran befestigter Zapfen in einem ersten Ringe, und dieser wieder mittels zweier Zapfen, die in 90 Entfernung von den ersten angebracht sind, in einem zweiten großen Ringe. Dieser aber ist an den das Ganze umschließenden viereckigen, hölzernen Kasten befestigt, der oben mit einem Glasdeckel versehen ist. Im Gehäuse ist in der Richtung nach dem Vorderteile des Schiffs (der K. selbst befindet sich allemal beim Steuerruder, wo sich der Steuermann aufhält, also auf dem Hinterteile des Schiffs) ein vertikaler schwarzer Strich angebracht, mit welchem der Steuermann den ihm vorgeschriebenen Strich der Windrose beständig in Berührung halten muß, damit das Schiff nach der jenem Strich entsprechenden Richtung fortgeht, eine Aufgabe, deren richtige Lösung nicht geringe Geschicklichkeit erheischt. Die großen, im Schiffe verteilten Eisenmassen üben auf den K. größere oder geringere Störungen aus; am wirksamsten und nachteiligsten ist in dieser Hinsicht die vertikal stehende Spindel der Ankerwinde. Um ihren Einfluß nne A Kompensation aufzuheben, hat man verschiedene Vorrichtungen angegeben. Weit sorgfältiger ist der zum astron. Gebrauch dienende Azimuthalkompaß konstruiert, der auf einem Stativ mit drei Füßen steht und ebenfalls zwischen zwei Ringen aufgehängt ist. Auf der Nadel ist keine Windrose, sondern ein in einzelne Grade geteilter Kreis befestigt. Bei dem Ingenieurkompaß, der zum Aufnehmen und Feldmessen dient, ist die Einteilung nicht an der Nadel, sondern am Gehäuse befestigt, und der doppelte Ring weggelassen. Wegen der Erschütterung, welcher die emißt, sind unter C aufzusuchen. Radel beim Landtransport ausgesetzt ist, wird sie von der Spitze, auf der sie beim Schiffskompaß immer schwebt, durch einen Hebel abgehalten, welcher nur dann ausgelöst wird und die Nadel freiläßt, wenn man beobachten will. Der Markscheiderkompaß (Grubenkompaß) oder K. der Bergleute unterscheidet sich von dem Ingenieurkompaß nur dadurch, daß er nicht in Striche oder Grade, sondern in 24 Stunden eingeteilt ist, deren 12 von Norden nach Süden und 12 auf der andern Seite von Süden nach Norden Laln werden; jede Stunde wird wieder in acht Teile geteilt. Hiervon weichen jedoch die Schweden ab, welche auch die Markscheiderkompasse in Grade einteilen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 447Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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