FeedSchiffahrt ist entweder Binnenschiffahrt
VerkehrBrockhaus 1882

Schiffahrt ist entweder Binnenschiffahrt, wenn sie auf Landseen, Flüssen und Kanälen, oder Küstenschiffahrt (frz. cabotage), wenn sie zwischen benachbarten Seestädten eines und desselben Landes, oder Seeschiffahrt, wenn sie auf der offenen See betrieben wird. Durch die S. wird nicht allein der Handel befördert, sondern sie hat auch wesentlich beigetragen zur Bereicherung des menschlichen Wissens, und ihre Geschichte ist zugleich die Geschichte des Völkerverkehrs und der Ausbreitung der Civilisation. Die Phönizier werden für die ersten Meister der S. gehalten. Dieselben unternahmen weite Handels⸗ und Entdeckungsreisen, hüllten sie aber tstets in Geheimnis. Wahrscheinlich haben sie schon Afrika umschifft. Nächst ihnen waren die Insel⸗ „griechen, die kleinasiat. Jonier, vorzüglich aber die Karthager im Altertum wegen ihrer S. berühmt. Im Mittelalter zeichneten sich die Normannen durch „ihre kühnen Fahrten zur See aus, die sogar bis Amerika gingen, späterhin besonders die ital. Seestaaten, Venedig, Genua, Pisa und das dalmatische Ragusa. Nach Erfindung der Magnetnadel und des Kompasses konnten sich die Seefahrer mit größerer Sicherheit auf den Ocean wagen. Wesentlich wurde später die S. gefördert durch die Erfindung des Oktanten und Sextanten durch Halley, die Vervollkommnung der See-Uhren durch Harrison und die von G. Mercator (s. d.) verbesserten Seekarten. Die Entdeckung beider Indien gab Anlaß, die S. mit größerm Eifer zu betreiben; Spanier, Portugiesen, Engländer und Holländer suchten sie von jener Zeit an zur höchsten Vollkommenheit zu bringen. Die mehr und mehr sich ausbildende Schiffbau⸗ und Schiffahrtskunst verminderten die frühern Gefahren der S. um vieles, sodaß die Europäer die wichtigsten Entdeckungen und Erobe-⸗ rungen machen und den Handel besonders zu hohem Flor bringen konnten. (S. Handel.) Gegenwärtig sind die Engländer durch ihre vortrefflichen Häfen, durch ihre geogr. Lage, ihre reichen Kolonien und ihre gewaltige Seemacht in dem Besitz der größten und einträglichsten S. und der meisten Kauffahrtei⸗ und Kriegsschiffe unter allen Nationen Europas. Dagegen sind Holland, Portugal und Spanien, die ehemals England den Rang streitig machten, von ihrer Höhe herabgesunken. Die Franzosen, deren S. in neuerer Zeit wieder bedeutend gestiegen, erwarben sich insbesondere das große Verdienst, die ersten Schulen zur Bildung von Seeoffizieren angelegt und die Schiffskunst zuerst auf wissenschaftliche Regeln gebracht zu haben. Besondere Beachtung verdient gegenwärtig auch die großartige Entwickelung der nordamerik. Marine; sie ist an Zahl der Schiffe und Tonnengehalt die zweitgrößte, während die deutsche Handelsschiffahrt den dritten Rang unter den seefahrenden Nationen einnimmt. Im allgemeinen erfuhr die S. die wesentlichste Umgestaltung und Erweiterung durch die Erfindung des Dampfschiffs (s. d. und die Anwendung der Propellerschraube (s. d.). Vgl. Benedict, Versuch einer Geschichte der S. und des Handels der Alten (Lpz. 1806); Heeren, «Ideen über die Politik, den Verkehr und den Handel der vornehmsten Völker der Alten Welto (5. Aufl., 5 Bde., Gött. 1824—26); Lindsay, Mistory of merchant shippingo (4 Bde., Lond. 1874.—75).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 344Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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