FeedKompaßpflanzen
PflanzenreichBrockhaus 1882

Kompaßpflanzen nennt man einige Pflanzen, die ihre Blätter in die Richtung des Meridians stellen, sodaß die Ränder nach Norden und Süden, die Flächen nach Osten und Westen gekehrt sind. Am bekanntesten sind zwei Pflanzen aus der bei milie der Kompositen, das in Nordamerika einheimische Silphium laciniatum und die in Deutschland wachsende wilde Lattichpflanze, Lactuca Scariola. Der Grund für diese eigentümliche Art der Blattstellung ist jedenfalls darin zu suchen, daß die betreffenden Pflanzen ihre Blätter vor zu intensiver Beleuchtung und Erwärmung zu schützen suchen. Die Flächen der Blätter werden nur am Morgen und Abend, nicht aber in den Mittagsstunden von den direkten Sonnenstrahlen getroffen. Kultiviert man die K. im diffusen Lichte, so findet auch keine Meridianstellung der Blätter statt. Hieraus geht hervor, daß jene Stellung nur durch die Richtung der auf die Blattflächen fallenden direkten Sonnenstrahlen bedingt wird; der ganze Vorgang hat daher nichts Besonderes, denn auch die Lage der Blätter anderer Pflanzen wird fast stets durch die Richtung der einfallenden Lichtstrahlen bestimmt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 448Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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