FeedKonjugaten
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Konjugaten, Algenfamilie, s. unter Algen. Koujugation nennt man in der Grammatik im allgemeinsten Sinne die Gesamtsumme der Formen, welche an einem Verbum zum Ausdruck der von der betreffenden Sprache überhaupt in das Verbum gelegten Beziehungen entwickelt werden können. In der Fülle der mit dem Verbum verbundenen Deziehungen sind die verschiedenen Sprachstämme außerordentlich verschieden, und geht bei manchen, wie es uns scheint, ins Maßlose; so wird z. B. das Tempus, das wir als Perfektum bezeichnen, in der Sprache der nordamerik. Tscherokesen, mißt, sind unter C aufzusuchen. je nach den verschiedenen Modifikationen oder begleitenden Umständen der Handlung, durch vier Formen ausgedrückt: «ich habe gesprochenv, cich habe gewöhnlich, so oft die Umstände es ergaben, esprocheno, cich habe überhaupt gesprochen v, «ich habe gesprochen, daß es die Gegenwärtigen wahrgenommen habend. Ebenso besitzen die finno-tatarischen Sprachen, das Baskische u. a. einen erstaunlichen Reichtum von Konjugationsformen. Der indogerman. Sprachstamm, zu dem auch das Deutsche gehört, ist darin weit mäßiger, und in der Grammatik desselben pflegt man nicht einmal alles, was an sich durch verschiedene Mittel (3. B. Suffixe) von einem zu Grunde liegenden Verbalstamm oder einer Verbalwurzel ausgedrückt werden kann, z. B. die wiederholte, verkleinerte u. s. w. Handlung, in das Konjugationssystem einzurechnen. Vielmehr versteht man hier unter K. die Verbindung eines bestimmten, durch alle Formen durchgehenden Verbalstammes mit nur denjenigen Elementen, welche die Zeitart (dauernde, momentane, vollendete Handlung), die Zeitstufe (Präsens, Imperfektum u. s. w., s. Tempus), den Modus (s. d.), die Person, den Numerus und das sog. genus verbi Elttiv, Passiv-Medium) bezeichnen. Da das Prinzip dieser Verbindungen bei allen Verben dasselbe ist, gibt es genau genommen nur eine K. Weil aber die zum Ausdruck der genannten Beziehungen verwendeten Clemente zum Teil verschieden sind, pflegt man die K. einer Sprache in Konjugationsklassen (lauch kurzweg Konjugationen genannt) einzuteilen, indem man die dem Gesamtformensystem zu Grunde liegenden gleichartig gebildeten Verbalstämme zum Ausgangspunkt nimmt (so z. B. in den vier K. des Lateinischen nach dem Infinitivstamm: ama-re, moné-re, legè-re, audi-re; ahnlich bei der Einteilung der deutschen K. in starke und schwache; die erste enthält die Wurzelverba, die letztere diejenigen mit sekundärem, abgeleitetem Stamm), oder solche Verba in eine Klasse vereinigt, die einen gleichartig gebildeten Präsensstamm zeigen, letzteres z. B. in der Sanskritgrammatik, von der diese Einteilungsweise in die vergleichende Grammalt der indogerman. Sprachen übergegangen ist. Die Fülle der Koniugationsformen pflegt im Laufe der Sprachentwickelung abzunehmen, so besitzt z „B. das Deutsche, auch in seiner ältesten Form, dem Gotischen, nur noch zwei der ursprünglichen Tempora: das Präsens und das Perfektum (in der deutschen Grammatik in der Regel Imperfektum, auch Präteritum genannt), alle übrigen müssen durch Umschreibung mittels eines Hilfsverbums ausgedrückt werden (umschreibende oder periphrastische K.), so das Perfektum durch habeno oder eseino, das Futurum durch «werdenv.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 472Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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