Konstantine, Hauptstadt des gleichnamigen östlichsten Departements der franz. Kolonie Algerien, 482 km östlich von Algier auf einem auf drei Seiten senkrecht abgeschnittenen und vom Rummel umflossenen Kalkplateau von 665 m Höhe gelegen, das nur auf der vierten südwestl. Seite durch eine Art Erddamm mit den die Stadt umgebenden Bergen verbunden ist. Die Stadt ist Sitz der Departementsbehörden, der 2. alger. Militärdivision, eines Bischofs, eines Civil⸗ und eines Handelsgerichts, einer Ackerbau⸗ und einer Handelskammer und hat zahlreiche Moscheen, eine kath. Kirche (ehemals Moschee), eine prot. Kirche, eine Synagoge. Auch bestehen hier ein arab.⸗franz. College, eine Schule für Eingeborene, mehrere andere Schulen, einige Wohlthätigkeitsanstalten, ein Hospital, ein Altertumsmuseum, eine archäol. Gesellschaft, seit 1883 eine geogr. Gesellschaft, ein Theater, eine Departementsbaumschule und mehrere Kasernen. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1881) auf 38379, darunter 12323 Europäer und 4400 Juden. Industrie und Handel des Ortes sind gegen frühere Zeiten sehr gesunken; doch herrscht noch immer viel Gewerbethätigkeit, besonders in Lederbearbeitung und Färberei. Auch unterhält man Brauereien und Destillationen und treibt wichtigen Handel mit Getreide, Mehl, Wolle, Seide, Leder, Früchten und Wein. Bedeutend ist der Transit nach Biskra und den Oasen der algerischen Sahara. K. hat unansehnliche Häuser und enge, schmutzige Gassen; doch sind in neuester Zeit mehrere Straßen erweitert und mit europ. Häusern und eleganten Magainen besetzt worden. Der Palast des ehemaligen Bei zeichnet sich durch zierliche maurische Architektur aus. Die Citadelle oder Kasbah, welche durch ihre hohe Lage die Stadt beherrscht, das Kapitol der alten Cirta, ist nur durch eine Menge in sie vermauerter Trümmer antiker Gebäude sowie durch ausgedehnte Cisternen bemerkenswert. In und um K. finden sich viele Überreste röm. Bauwerke. Früher stand die Südostseite der Stadt mittels einer prachtvollen, in drei Etagen über die 120 m tiefe Schlucht des Rummels führenden Brücke mit der gegenüberliegenden Anhöhe Mansurah in Verbindung, deren Quellwasser nach dem brunnenlosen K. durch einen Aquädukt hinübergeleitet wurde. Diese alte Römerbrücke stürzte 9. Juni 1857 ein und wurde von den Franzosen durch ein neues prächtiges Bauwerk ersetzt. Eine Eisenbahn ich b nach Philippeville und eine nach Setif. Östlich befindet sich im Gebl Thaya eine der großartigsten Tropfsteinhöhlen. K. war schon im Altertum infolge seiner fast uneinnehmbaren Lage eine bedeutende Stadt Numidiens (punisch Carta oder Kirtha, römisch Cirta genannt, d. h. steil abgeschnitten) und eine Zeit 7 Königsresidenz und als solche besonders unter Micipsa blühend. Unter den Römern begann sie zu sinken. Julius Cäsar gab einen Teil ihres Gebietes seinem Parteigänger Sittius, der daselbst eine röm. Kolonie gründete; daher Cirta unter ihm den Beinamen Colonia Sittianorum erhielt. Im Kriege des Maxentius gegen Alexander wurde die Stadt 311 zerstört, jedoch schon unter Konstantin d. Gr. wiederhergestellt und stark befestigt, daher auch Constantina genannt. Noch im 12. Jahrh. wird sie als eine der blühendsten, reichsten und festesten Städte geschildert, in welcher die Kaufleute von Pisa, Genua und Venedig ihre Handelscomptoirs hatten. Später teilte sie die Schicksale von Algerien. Sie war Sitz eigener Beis, deren letzter, Achmed, sich auch nach dem Falle Algiers bis 13. Okt. 1837 gegen die Franzosen hielt, wo K. von letztern unter Marschall Valee erobert wurde. Das Departement Konstantine umfaßt 127064 qkm in 6 Arrondissements, mit (1881) 1291 418 CE.