FeedKontrast
Bildende KunstBrockhaus 1882

Kontrast (frz.) nennt man in der Asthetik das Beieinandersein oder Nebeneinanderstellen zweier verschiedenartiger und in Hinsicht auf den Eindruck, welcher dadurch auf die Empfindung hervorgebracht wird, entgegengesetzter Dinge. Die Antithese (s. d.) hat mit dem K. gemeinsam, daß auch in ihr eine Zusammenstellung verschiedenartiger Gegenstände stattfindet, allein der K. bezeichnet die Wirkung einer solchen Zusammenstellung auf die Empfindung und das hieraus entspringende ästhetische Wohlgefallen oder Mißfallen. Der ästhetische Charakter des K. beruht auf dem Umstande, daß ein jeder Eindruck durch die Gegenüberstellung des entgegengesetzten an Deutlichkeit und Schärfe gewinnt und daher häufig zu seiner eigenen Erhöhung die Hinzufügung seines Gegenteils fordert. So verlangt das Licht zur stärkern Hebung den Schatten, der Scherz den Ernst u. s. w. Der K. tritt hervor in Gestalten, Bewegungen, Tönen, Charakteren, Gesinnungen, Gemütsbewegungen, Handlungen und Ereignissen. So spricht man in der Theorie der bildenden Kunst vom K. der Schatten und Lichter, K. im Ausdruck, in der Charakteristik, in den dargestellten Personen nach Alter, Geschlecht u. s. w., in den Gruppen, in den Stellungen der Figuren. Ein K. ist schreiend, wenn der lbergang aus einem Gefühle in das entgegengesetzte nicht allmählichund durch Mittelstufen, sondern plötzlich und unerwartet geschieht. Der K. ist oft die Quelle der Rührung, oft aber auch der ergötzlichsten Komik. Ü(lationslinien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 506Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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