FeedKomposition (lat., d. h. Zusammensetzung)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Komposition (lat., d. h. Zusammensetzung), die Vereinigung einzelner Bestandteile zu einem in sich einheitlichen Ganzen. In der Asthetik hat Komposition eine besondere Bedeutung in seiner Übertragung auf die künstlerische Thätigkeit gewonnen; hier bezeichnet es die Umbildung und Ausgestaltung des innern Phantasiebildes, der sog. Konzeption, nach den Forderungen und Bedingungen der künstlerischen Darstellung. Diese Forderungen und Bedingungen, die man deshalb auch die Gesetze der K. nennt, entstammen einerseits der Natur des innern Phantasiebildes selbst, der Konzeption, dem Grundmotiv, und andererseits der Natur der besondern Kunstart, in welcher dieses innere Phantasiebild verwirklicht werden soll. Nach der ersten Seite hin ist das Grundgesetz, das alle weitern Gesetze in sich schließt, das Gesetz völligster Klarheit und strengster innerer Notwendigkeit. Hierher gehören die Gesetze der festen und klaren Anordnung und Verteilung der Hauptmassen und der Nebenbilder (Episoden), der wirksamen rhythmischen Gruppierung und Scheidung, der glaubhaften und zwingenden Motivierung, der fest in sich abgeschlossenen Einheit. Nach der zweiten Seite hin ist das Grundgesetz das feste Einhalten der jeder Kunstart durch ihr Darstellungsmaterial gesetzten Grenzen. In der Musik hat der Ausdruck Komposition eine ganz besondere Bedeutung erlangt, weil derselbe hier für die Art der Thätigkeit charakteristisch ist und deshalb auch das gesamte Schaffen bezeichnet, welches auf die Bildung neuer Tonstücke gerichtet ist; der Künstler wird infolge dessen Komqvponist, sein Produkt Komposition genannt. Außer der natürlichen Begabung, dem Vermögen, neue eigentümliche Gedanken, Motive oder Melodien zu erzeugen, muß der Komponist volle Kenntnis der Harmonik und Rhythmik, des Formenbaues, der Deklamation, der Instrumentation, der menschlichen Stimme, vor allem aber einen natürlichen, [durch Studium guter Werke geregelten und verfeinerten Schönheitssinn besitzen. Die Kompositionslehre umfaßt demnach die Gesamtheit dieser Haupt- und Hilfskenntnisse. K. wird häufig auch gleichbedeutend mit Tonstück gebraucht. In der Technik war Kom position früher eine allgemein übliche Bezeichnung für verschiedene Metalllegierungen. So wurden das Tombak und überhaupt die goldähnlichen Legierungen aus Kupfer und Zink (Semilor, Mannheimer Gold etc.), im Gegensatze zu echtem Gold, als K. bezeichnet, ebenso verschiedene silberähnliche Legierungen, wie Alfenid, Argentan, Britanniametall, Christofle.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 451Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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