FeedKoppelwirtschaft
AllerleiBrockhaus 1882

Koppelwirtschaft, auch Dreeschwirtschaft, Feldgraswirtschaft, Weidewechselwirtschaft (s. auch Betriebssysteme), nennt man dasjenige System des Ackerbaues, welches den mehrere Jahre hindurch mit Getreide bestellten Boden wieder eine geraume Zeit hindurch (3—12 Jahre lang) ruhen läßt, indem derselbe, mit Futterpflanzen besäet, zu künstlicher Weide (Dreesch) benutzt und mit dem Vieh betrieben wird. Die K. macht die Viehzucht zur Hauptaufgabe und bezieht von ihr den größten Teil des Ertrags. Dieselbe ist nach der reinen Weidewirtschaft das einfachste, meist extensive Feldsystem, wirft aber, da sie weite Flächen erfordert, nur eine verhältnismäßig geringe Bodenrente ab. Die K. eignet sich daher nur für dünnbevölkerte Landstriche und verschwindet allmählich bei zunehmender Bevölkerung, indem sie in den Fruchtwechsel übergeht. Die reine K., bei welcher jeder Schlag (Koppel) mit einem Graben und Wan, letzterer mit natürlicher Hecke (Knich umgeben ist, stammt aus Schleswig-Holstein, von wo sich dieselbe zunächst nach Mecklenburg, mit der Abänderung, daß weniger Schläge zur Weide, dagegen mehr zur Körnerproduktion benutzt wurden, und weiter über verschiedene Teile Deutschlands verbreitete, so in Oldenburg, im nordwestl. Westfalen, in Nassau, der Eifel und dem Hundsrück, im Schwarzwald und dem südl. Baden, in der Schweiz, in Tirol, Steiermark, Kärnten und im erzgebirgischen Sachsen. Im Übergange zur Feldwirtschaft befindet sie sich im südl. Württemberg; im Übergange zu dem Fruchtwechsel in der Mark Brandenburg und in den Odergegenden von Frankfurt bis Stettin und bei Colmar. England und Frankreich treiben K. teilweise ebenfalls noch. In Südeuropa tritt an Stelle der K. die auf dem gleichen Prinzip fußende Egartenwirtschaft. Vgl. Hanssen, «Agrarhistor. Abhandlungenv (Lpz. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 523Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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