FeedKorallin
ReligionBrockhaus 1882

Korallin, s. Ro solsäure. Koran oder Alkoran (d. h. Lesung) heißt das in arab. Sprache geschriebene Religionsbuch der Mohammedaner, welches das enthält, was Mohammed als göttliche Offenbarung in verschiedenen Perioden seines Lebens verkündigte. Derselbe wurde erst nach seinem Tode von seinem Schwiegervater Abu Bekr gesammelt, worauf der dritte Kalif Othman das Ganze redigieren und verbreiten ließ. Der K. gilt als die heilige Quelle aller mohammed. Theologie und Jurisprudenz. Er enthält Reden Mohammeds an seine Anhänger, Lobpreisungen Gottes, Gesetze, Dogmen, Ermahnungen, Polemik gegen Götzendiener, Juden und Christen und Legenden in einer teils einfachen, kräftigen, teils sehr schwülstigen Sprache, welche bisweilen aber zu wirklich dichterischem Schwunge sich erhebt. Nicht wenige Ideen des K. sind unverkennbar aus der Bibel nach der spätern jüd. und christl. Tradition entlehnt. Vgl. Geiger, ⸗Was hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen 2» (Bonn 1883), und Gerock, «Christologie des K.» (Hamb. 1839). Trefflich sind die Belehrungen des K. über Gott, Vorsehung, Auferstehung, Belohnungen und Bestrafungen; die Gesetze und Entscheidungen sind den einfachen Bedürfnissen des Volks angemessen. Auf das nachdrücklichste wird darin die Einheit Gottes gelehrt; Rechtschaffenheit sowie Milde gegen die Armen und Sklaven werden dringend anempfohlen. Die Lehre von einer absoluten Vorherbestimmung, sodaß der Mensch keine Linie breit vom Wege abweichen könne, der ihm von Ewigkeit her vorgezeichnet, dann die in lebhaften Bildern abgefaßte Schilderung des künftigen Lebens, endlich die Versicherung, daß der Tod für die Sache Gottes der sicherste Weg zum Himmel sei, dies alles, in Verbindung mit der Kampflust der Araber, diente dazu, den Kriegssinn der Mohammedaner zu entflammen. Mit Rücksicht auf das Klima des Landes gebietet der K. häufige Reinigungen und untersagt den Genuß berauschender Getränke, während er die Vielweiberei zwar gestattet, jedoch beschränkt. Das ganze Werk besteht aus 114 Kapiteln, Süren genannt, von sehr ungleichem Umfange, ohne systematische oder chronol. Folge aneinander gereiht. Unter den zahlreichen mohammed. Erklärungen des K. sind die von Samakhschari (herausg. von Nassau-Lees, 2 Bde., Kalkutta 1856) und von Beidhäwi (herausg. von Fleischer, Lpz. 1844) die ausgezeichnetsten. Von den vielen Ausgaben ist die beste von Flügel (Lpz. 1834 und öfter aufgelegt). Außerdem wurde der Text öfters gedruckt, in Petersburg seit 1787, in Kasan seit 1803, in Kalkutta, in Teheran und andern Orten Indiens und Persiens mit hindostan. und pers. übersetzungen und Kommentaren. Unter den Übersetzungen sind zu erwähnen die lateinische von Maracci, die englischen von Sale (Lond. 1734 und öfter) und von J. M. Rodwell (Lond. 1861), die französische von Kazimirski (Par. 1840 u. öfter), die deutschen von Wahl (Halle 1828) und Ullmann (6. Aufl., Bielef. 1872). Vgl. Weil, „Histor.⸗kritische Einleitung in den K.» (Bielef. 1844 und 2. Aufl., ebendas. 1878); Nöldeke, 4Geschichte des K.» (Gött. 1863); Garein de Tassy, „L'islamisme d'après le Corand (Par. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 527Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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