Korint (grch. Korinthos), vor und nach Athens Blüte die angesehenste und reichste Handelsstadt des alten Griechenland, verdankte ihre Bedeutung i ihrer unvergleichlichen Lage am südl. Ende des Isthmus, der natürlichen Brücke zwischen dem Peloponnes und dem nördl. Griechenland, zwischen zwei Golfen (dem Korinthischen und Saronischen), welche gute Häfen (Lechäon im W., Schoenos und Kenchreä im O., die beiden erstern durch den sog. Diolkos, eine breite Fahrbahn, auf welcher Waren und kleinere Schiffe über den Isthmus transportiert wurden, untereinander verbunden) zum Verkehr mit dem O. wie mit dem W. darboten. Die Stelle der Stadt ist eine tafelförmige Hochfläche am nördl. Fuße eines steilen Felsbergs, dessen umfänglicher Gipfel die Akropolis (Akrokorinthos), eine der stärksten Festungen des Peloponnes und der Schlüssel dieser Halbinsel, einnahm. Diese Stätte, wo in sehr frühen Zeiten auch phöniz. Ansiedler sich niederließen und ihre Kultur und Kulte einbürgerten, kam infolge der dor. Wanderung unter die Herrschaft dor. Könige aus dem Geschlecht der Herakliden, welche dann in eine Aristokratie überging, wo die zu den Herakliden gehörige Familie der Bakchiaden im bleibenden Besitze der Regierung war. Schon unter der Herrschaft dieser wurden zur Förderung des Handels nach Westen Kolonien auf der Insel Korkyra und auf Sicilien (Syrakus) gegründet (734 v. Chr.). Nach Vertreibung der Bäkchiaden trat 655 Kypselos als Tyrannos (Burgherr, Fürst) an die Spitze des Staats. Sowohl er als auch sein Sohn und Nachfolger Periandros (625—-585 v. Chr.) sicherten durch Anlage einer Kette von Handelsstationen auf den Küsten von Atolien, Akarnanien, Epirus und Illyrien ihrer Stadt die Alleinherrschaft im westl. Meere und hoben zugleich durch Gründung der Kolonie Potidäa auf der thraz. Halbinsel Pallene und durch Anknüpfung von Verbindungen mit den griech. Städten Kleinasiens und mit den Königen von Lydien und Agypten ihre Macht und ihren Einfluß im Osten. Auch beförderten sie Industrie und Kunst, wie besonders den Schiffbau, die Architektur, die Plastik in Thon und in Erz. Nachdem Perianders Neffe, Psammetichos, mit Hilfe der Spartaner gestürzt worden war (581 v. Chr.), wurde eine gemäßigt aristokratische Verfassung eingerichtet; die Stadt trat dem Bunde der peloponnes. Staaten unter Spartas Hegemonie bei und nahm als Glied desselben teil an dem Peloponnesischen Kriege, aus dem sie ungeschmälert an Macht und Reichtum hervorging. Die Zahl der Bevölkerung wuchs fortwährend, ebenso steigerte sich immer der Zufluß von Fremden, die teils Handelsgeschäfte, teils die berühmten Isthmischen Spiele nach der an Glanz und Pracht ihrer Gebäude, aber auch an üppigkeit und Gefahren für leichtsinnige Verschwender (besonders waren in dieser Hinsicht die korinth. Hetären berüchtigt) von keiner griech. Stadt des Altertums übertroffenen Metropole führten. Der sog. Korinthische Krieg zwischen den Spartanern und den verbündeten Thebanern, Argivern, Athenern und Korinthern (395—387) brachte der Stadt zwar manche schwere Verluste, doch erholte sie sich davon bald wieder. Gefährlicher und drückender wurde für sie der Verlust ihrer Selbständigkeit durch die Oberherrschaft der Macedonier über Griechenland, besonders als sie 337 v. Chr. gezwungen wurde, eine macedon. Besatzung in Akrokorinth aufzunehmen. Polit. Bedeutung erlangte sie wieder nach Vertreibung derselben durch ihren Beitritt zum Achäischen Bunde (243 v. Chr.). In dem Kriege der Achäer gegen Rom durch den röm. Konsul Mummius (146 v. Chr.) zerstört, lag ißt, sind unter C aufzusuchen. sie über 100 Jahre in Trümmern, bis Julius Cäsar auf der verödeten Stätte eine röm. Kolonie unter dem Namen Laus Julia Corinthus anlegte (44 v. Chr.), die in der röm. Kaiserzeit als Sitz des Statthalters der Provinz Achaia und als große Handelsstadt einen erheblichen Teil ihres alten Glanzes wiedergewann und auch eine der ersten Pflanzstätten des Christentums auf griech. Boden wurde. In byzant. Zeit Sitz der Statthalter des Peloponnesos, von 1210 bis 1395 in den Händen der fränk. Eroberer Griechenlands, 1458 von den Osmanen erobert, 1682—1715 in den Händen der Venetianer, hat in unserm Jahrhundert das heruntergekommene K. durch die Kämpfe im neugriech. Unabhängigkeitskriege, später durch wiederholte Erdbeben schwer gelitten. Seit dem Erdbeben vom 21. Febr. 1858 ist die Stadt von dem alten Platze 5 km nordöstlich auf den eigentlichen Isthmus, unweit der Stelle des antiken Hafens Lechäon, verlegt worden. Nea-Korinthos (Neu-⸗Korinth) mit (1879) 7575 E. ist der Hauptort der zur Nomarchie Argolis und Korinthia gehörigen Eparchie Korinthia. An der Stelle der im Febr. 1858 zerstörten Stadt liegen nur noch die wenigen Häuser des jetzigen Dorfs Paläa-Korinthos (Alt-Korinth) mit den Säulen eines antiken Tempels, wohl des ältesten noch vorhandenen dor. Baudenkmals in Griechenland. Etwa 2,5 km im ONO. von Nea-Korinthos besindet sich die Einfahrt zum Kanal von Korinth, welcher den Meerbusen von K. mit dem von Ägina verbindet und dem Seeverkehr aus dem westl. Mittelmeer nach den Küsten des Agäischen, Marmara⸗- und Schwarzen Meeres den großen Umweg um den ganzen Peloponnes ersparen wird; der Kanal durchzieht in einer Länge von 5,86 km den Isthmus (. d.) von Korinth an seiner schmalsten Stelle in südöstl. Richtung und mündet in den Golf von Agina 1 Km östlich von Kalamaki bei der neuangelegten Stadt Ithmia. Der bereits im Altertum mehrfach (3. B. von Nero) R Plan einer Durchstechung des Isthmus von wurde in neuester Zeit wieder aufgenommen, und 1881 erteilte die griech. Regierung einer Gesellschaft unter Vorsitz des Generals Türr die Konzession für Anlegung des Kanals, dessen Ausführung im Winter 1881—82 begonnen wurde. Die histor. Litteraturüber K. s. u. Griechenland.