Körner (Karl Theodor, im elterlichen Hause stets Karl gerufen und erst als Dichter Theodor K. genannt), deutscher Dichter, geb. zu Dresden 23. Sept. 1791, der Liehn des vorigen, erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung, während zugleich der Vater selbst und der Herchtn Geist des elterlichen Hauses, sowie die Verehrung, mit der die Familie an Schiller hing, vom belebendsten Einfluß auf die Ausbildung seiner Talente waren. Nachdem er zwei Jahre lang, um Mineralogie zu studieren, die Bergakademie zu Freiberg besucht hatte, bezog er 1810, als bereits die erste Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel Knospenv erschienen war, die Universität zu Leipzig, welche aber wegen eines Duells 1811 wieder verlassen mußte. Nach kurzem Aufenthalt in Berlin ging er nach Wien, wo er sich mit der Schauspielerin Antonie Adamberger verlobte und durch mehrere ermißt, sind unter C aufzusuchen. dramatische Erzeugnisse, welche er schnell hintereinander auf die Bühne brachte, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Einige derselben, wie „Der grüne Dominov, «Die Braute und der Rachtwächtere, gehören H△1 zu den bessern deutschen Lustspielen. Seine Dramen ernsten Charakters, wie Toniv und (Hedwigy, bekunden zwar die Bühnenpraxis und Formgewandtheit, auf der andern Seite aber auch den Mangel an Menschenkenntnis des jugendlichen, inzwischen zum kaiserl. Theaterdichter ernannten Verfassers. Seine beiden größern Trauerspiele Zrinyy und Rosamundey wurzeln ganz in dem Jambenpathos Schillers, fesseln aber durch den darin sich kundgebenden Enthusiasmus für alles Gute und Edle. Namentlich war in jener Zeit des Drucks und der geheim gärenden Volkskraft das Trauerspiel Zrinyo mit seiner Darstellung echten Heldenmuts von mächtiger Wirkung. Als sich die deutsche Nation gegen die Napoleonische Fremdherrschaft erhob, zog auch K., welcher schon früher in Liedern die Schmach und Unterdrückung des Vaterlandes beklagt hatte, mit in den Krieg. Die unter dem Titel Leier und Schwerto und durch die Weberschen Melodien populär gewordenen patriotischen Lieder, welche er nun dichtete, und durch die er mächtig auf den kriegerischen Sinn der Deutschen wirkte, sind nicht nur das Beste unter K.s sämtlichen Dichtungen, sondern gehören überhaupt zu den schönsten und begeistertsten Kriegs- und Vaterlandsgesängen, welche die deutsche Litteratur aufzuweisen hat. K. hatte sich anfangs den Lützowschen Büchsenjägern zugesellt; allein die Unthätigkeit, in welcher dieselben nach der Schlacht von Lützen bleiben mußten, bewog ihn, zu der Kavallerie des Korps zu treten. Als Lützows Adjutant nahm er an dem kühnen Streifzuge in dem Rücken des Feindes teil. Fast wäre es den Franzosen gelungen, ihn im Gefecht bei Kitzen (17. Juni), wo er verwundet wurde, gefangen zu nehmen. Von Freunden zunächst in Leipzig, dann in Karlsbad gepflegt, ging er, sobald es seine Verwundung erlaubte, wieder zu seinem Korps. Nach geendigtem Waffenstillstande kämpfte er in mehrern Gefechten gegen die Franzosen mit kühnem Mute. Er fiel 26. Aug. 1813 bei dem Dorfe Lützow unweit Gadebusch, 2 km westlich von Rosenberg. Noch eine Stunde vor Anfang des Gefechts hatte er nach einem Nachtmarsche das „Schwertliedo beendigt und seinen Freunden vorgelesen. Seine Leiche wurde unter einer alten Eiche bei dem Dorfe Wöbbelin, 8 km nördlich von Ludwigslust, begraben. Der Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin bewilligte K.s Vater einen Raum von 48 Quadratruten (ziemlich 1000 am) um die Grabstätte, in deren Mitte sich ein in Eisen gegossenes Denkmal erhebt. Neben ihm wurde 1815 zunächst seine Schwester Emm a (1831 sein Vater, 1832 seine Tante Dora Stock und 1843 seine Mutter) begraben; sie war 19. April 1788 geboren und hatte schon schöne Talente, besonders in der Olmalerei, entwickelt. Ausgaben der »Sämtlichen Werkey K.s besorgten Streckfuß (in Einem Bande, Berl. 1834 u. öfter: in 4 Bdn., Berl. 1838 u. öftery und Wolff (nebst Briefen u. s. w., 4 Bde., Berl. 1858); eine möglichst vollständige Ausgabe mit Biographie besorgte Fr. Förster in Hempels cNational-Bibliotheke (4 Tle. Berl. ohne Jahr), eine Prachtausgabe H. Laube (Wien 1889). Vgl. Erhard, «K.s Lebenr (Arnst. 1821); Hadermann, «Theodor K. » (Berl. 1848); Brasch, „Das Grab zu Wöbbelin oder K. und die Lützower»(Schwer. 1861), und L. Bauer, «K.s Leben⸗ (Stuttg. 1883). Auf dem Georgsplatz zu Dresden vor der Kreuzschule, deren Zögling K. gewesen, steht sein 18. Okt. 1871 enthülltes, von Hähnel modelliertes Standbild aus Erz. Der Begründer desselben, Dr. Emil Peschel in Dresden, eröffnete auch in Neustadt-Dresden in dem Geburtshause Theodor K.s und dem zweijährigen Aufenthaltsorte Schillers 1875 ein für die Geschichte der Befreiungskriege, sowie für die Goethe⸗ und Schiller-Litteraturepoche höchst wichtiges Körner-Museum. Dasselbe enthält eine in 0 einer Art einzig dastehende Sammlung von historisch-litterarisch und künstlerisch interessanten Gegenständen aus den Befreiungskriegen und der Litteraturepoche jener Zeit. Zeichnungen, Gemälde, Büsten, Medaillen, Drucksachen, Manuskripte, die seltensten Autographen u. dgl. veranschaulichen die ganze Geschichte der Erhebung des deutschen Volks von 1813 bis 1815 und schildern im einzelnen sowohl den Genius der Befreiungskriege (Königin Luise von Preußen) wie den « deutschen Tyrtäus (Theodor K.). Ebenso ist im Körner-Museum der geistig und künstlerisch ausgezeichnete Familienkreis Christian Gottfried K.s zugleich mit seinem Freundschaftsverhältnis zu Schiller ganz besonders hervorgehoben.