FeedKoseiuszko (Tadeusz)
GeschichteBrockhaus 1882

Koseiuszko (Tadeusz), letzter Oberfeldherr der Republik Polen, wurde 12. Febr. 1746 zu Mereczowszezyzna in der ehemaligen Wojwodschaft Novogrodek geboren und stammte aus einer alten adeligen, aber wenig begüterten litauischen Familie. In der Kadettenschule zu Warschau bemerkte der Fürst Adam Czartoryski seine Talente und bewirkte, daß er als Unterlieutenant auf Staatskosten nach Frankreich geschickt wurde, wo K. die Kriegswissenschaften in der Militärakademie zu Versailles studierte. Nach seiner Rückkehr ward er Hauptmann; allein eine Demütigung, die er wegen seiner Neigung zu der Tochter des Marschalls von Litauen, Sosnowski, erlitt, veranlaßte ihn, Polen zu verlassen. Er kam 1777 nach Paris und zog 1778 auf einer franz. Flotte unter d'Estaing von Toulon aus den sich bildenden nordamerik. Freistaaten zu Hilfe. Vor Neuyork und bei Norktown, wo er verwundet wurde, erregte er Washingtons Aufmerksamkeit und wurde dann dessen Adjutant, nach dem Friedensschlusse Brigadegeneral. K. kehrte 1786 nach Polen zurück. Bei der Organisation der Armee 1789 zum Generalmajor ernannt, erklärte er sich für die Konstitution vom 3. Mai 1791 und kämpfte, in dem bald ausbrechenden Kriege zum Generallieutenant befördert, unter dem Prinzen Jos. Poniatowski. Bei Dubienka verteidigte er sich 17. Juli 1792 mit 4000 Mann gegen 16000 Russen in einem schwach verschanzten Lager fünf Tage lang und zog sich ohne großen Verlust zurück. Diese That begründete seinen militärischen Ruf. Nach dem Sturz der Konstitution von 1791 nahm K. seinen Abschied und begab sich nach Leipzig. Um dieselbe Zeit erteilte ihm die Gesetzgebende Versammlung in Frankreich den Titel eines franz. Bürgers. Bei Ausbruch des neuen Aufstandes der Polen gegen Rußland erschien K. 23. März 1794 in Krakau und wurde zum Oberfeldherrn und Diktator ernannt. Als die Russen 6000 Mann stark anrückten, schlug er sie mit 4000 Mann, teilweise nur mit Sensen und Piken bewaffnet, ohne Geschütz 4. April bei Raclawice. Darauf ging er nach Warschau, wo auf die Kunde von seinem Siege der Aufstand ausgebrochen und die russ. Besatzung vertrieben war, und richtete die Regierung ein; doch konnte er die wachsende Anarchie nicht zügeln. K. legte die Diktatur deshalb nieder und begab sich wieder zum Heere. Lange widerstand er den Preußen und Russen; bei Szezekoczyn 6. Juni geschlagen, zog er sich nach Warschau zurück, das er glücklich verteidigte. Nachdem die Preußen die Belagerung aufgehoben hatten, betrieb K. rastlos die Organiation des Heeres. Bei den neuen Fortschritten der Russen eilte er diesen wieder entgegen und erlag endlich ihrer dreifach stärkern übermacht bei Maciejowice 10. Okt. 1794. Mit Wunden bedeckt, sank K. vom Pferde und fiel in feindliche Gefangenschaft. Daß er dabei die Worte «Finis Poloniaed (s. d.) ausgerufen haben soll, ist unhistorisch. Nach dem Tode Katharinas 1796 gab ihn Kaiser Paul I. zu Petersburg unter Beweisen seiner Achtung frei. Er begab sich nach England, von wo er 1797 nach Amerika ging. Als er 1798 mit einer Sendung vom Kongreß nach Frankreich kam, nahmen alle Parteien ihn festlich auf. Seine Landsleute in der ital. Armee überschickten ihm den Säbel oh. Sobieskis, welchen sie zu Loreto entdeckt hatten. Im Kriege von 1806 hinderte K. sein dem Kaiser Paul I. gegebenes Wort, nicht wider die Russen zu dienen, an dem Kampfe teilzunehmen. Auf Napoleons J. Anträge gab er die Antwort: er könne erst dann für Polen thätig sein, wenn dieses Land eine freie Nationalverfassung und seine alten Grenzen wieder erhalten haben würde. Später kaufte er in Berville bei Fontainebleau ein Landgut, wo er bis 1814 lebte. Eine kurze Zeit weilte er darauf in Wien während des Kongresses. Er bat 1814 den Kaiser Alexander I. schriftlich um eine Amnestie für die Polen in der Fremde und forderte ihn auf, König von Polen zu werden und dem Lande eine Verfassung zu geben. Mit Lord Stewart reiste er nach Italien und ließ sich dann 1816 zu Solothurn nieder. Von hier hob er im April 1817 auf seinem Gute Siechnowice in Polen die Leibeigenschaft auf. Ein Fall mit dem Pferde in einen Abgrund unweit Vevey wurde die Veranlassung seines Todes 15. Okt. 1817. Auf Kosten des Kaisers Alexander J. wurde 1818 durch den Fürsten Jablonowski seine Leiche aus Solothurn abgeholt und in dem Dome zu bahielen beigesetzt, wo man ihm auch ein Denkmal errichtete. Vgl. die Biographien K.s von Fallenstein (2. Aufl., Lpz. 1834), Chodzko (Par. 1837) und Par. 1820. (Krakau 1872); Fayot, MNotice sur K.5 (Par. 1824).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 549Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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