Kossuth (spr. Koschuth, Ludw., ungar. Läjos), Führer der ungar. Revolution von 1849, geb. 27. April 1802 zu Monok im Komitat Zemplin, studierte die Rechte auf dem reform. Kollegium Sarospatak. Seit 1824 gewann er eine ausgedehnte jurist. Praxis, sowie als Redner in den Komitatsversammlungen Einfluß. Im J. 1831 wandte sich K. nach Pest und ging 1832 als Absentenlegat (Vertreter eines abwesenden Magnaten) auf den Landtag. Daneben redigierte er eine Landtagszeitung, die zur Umgehung von Censurhindernissen in etwa 100 Exemplaren abgeschrieben und durch die Komitatshaiduken an die Komitate versandt ward. Nach dem Schluß des Landtags begann K. in Pest zur Veröffentlichung der Komitatsverhandlungen ein ähnliches Blatt. Die Regierung untersagte jedoch die Fortsetzung der Zeitung und ließ im Mai 1837 K., Wesselenyi und mehrere andere zu Ofen gefangen setzen. Die Septemviraltafel verurteilte K. wegen Hochverrats zu vierjähriger Haft, aus der er jedoch bereits 1840 infolge einer allgemeinen Amnestie befreit wurde. Hierauf übernahm er die Redaction des Pesti hirlapo, in welchem Blatte er fortan sein großes publiziftisches Talent entwickelte und die bisherige gemäßigte Opposition durch seine radikale Haltung überflügelte. Nachdem er 1844 die Redaction niedergelegt, trat er als Leiter patriotischer Vereine auf, bis er im Nov. 1847 vom Pester Komitat als Deputierter auf den Landtag gesandt ward, wo er bald als Führer der Opposition durch Kühnheit und rhetorische Gaben alles mit sich fortriß. Als Graf L. Batthyänyi 17. März 1848 zum Präsidenten des ungar. Ministeriums ernannt worden, trat K. als Finanzminister ein. Nach der Auflösung dieses Ministeriums (September) wurde er Präsident des neuen Landesverteidigungsausschusses. In dieser hlath, organisierte er den Kampf gegen die südslaw. Bewegung und gegen die österr. Centralregierung, trug aber auch durch seine ultramagyar. Richtung viel dazu bei, um die übrigen Vollsstämme Ungarns und Siebenbürgens der Nationalsache zu entfremden. Die Abdankung Kaiser Ferdinands I. und die Thronbesteigung Franz Josephs (2. Dez. 1848) bewogen K., durch den Rumpflandtag in Debreczin 14. April 1849 die Thronentsetzung des Hauses Habsburg-Lothringen und die Unabhängigkeitserklärung Ungarns beschließen zu lassen. K. wurde als regierender Präsident oder Gouverneur bestellt und nahm seinen Sitz in Pest. Schon Mitte Juli ging jedoch Pest wieder verloren, und der Gouverneur nebst Regierung und Reichstag mußte sich immer weiter nach Süden zurückziehen. K. sah sich zur Abdankung gezwungen und übertrug 11. Aug. 1849 die Diktatur an Görgei. Am 17. Aug. 1849 trat er auf türk. Gebiet über, wo er verhaftet und erst in Widdin, dann in Schumla verwahrt und nach längern Unterhandlungen mit Österreich zu Kutahia in Kleinasien interniert (Febr. 1850) wurde. Dahin folgte ihm auch seine Familie. Nachdem K. 9. Sept. 1851 seine Freiheit wieder erhalten, begab er sich über England nach den Vereinigten Staaten. In der Folge lebte K. als Haupt der ungar. Emigration in London, später in Turin und Rocaro, organisierte wiederholt eine ungar. Legion, die unter Garibaldi kämpfte (1859 und 1866), protestierte 1867 gegen den Ausgleich, machte von der Amnestie keinen Gebrauch und lehnte den Eid an die habsburgische Dynastie und die Rückkehr in die Heimat ab, wiewohl er wiederholt zum Abgeordneten gewählt, auch 1877 durch eine in Italien erschienene Deputation zur Rückkehr aufgefordert wurde. Seine «Schriften aus der Emigrationo (deutsch 3 Bde., Preßb. 1881—82) enthalten wichtige Beiträge zur Zeitgeschichte, haben jedoch den staatsmännischen Ruf K.s nicht erhöht. Gegenwärtig lebt K. in Turin. Vgl. J. E. Horn, Ludwig K.v (2 Bde., Lpz. 1851); Szemere, „Graf L. 13550) Maß A. Görgei, Ludwig K. (3 Tle., Hamb. 1853); Makray veröffentlichte K.s „Briefe an Bem 1849. März bis Juni» (Pest 1872).