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GeschichteBrockhaus 1882

Krain, Herzogtum und Kronland des cisleithanischen Teils der Osterreichisch-Ungarischen Monarchie, 10032,6 akm groß, wird im N. von der östl. Fortsetzung der Karnischen oder Kärntner, im S. von den Julischen oder Krainer Alpen und dem Karstgebirge durchzogen. Der höchste Punkt ist der 2864 m hohe Terglou zwischen den beiden Quellen der Save, welcher an seiner Nordseite den einzigen Gletscher des Landes trägt und den Scheidungspunkt der Karnischen oder Julischen Alpen bildet. Die letztern und die Gebirge des Karst (. d.) zeichnen sich durch Versenkungen, Trichter, unterirdische Wasserläufe und Höhlen aus. Die wichtigsten sind die Adelsberger Grotte (s. Adelsberg), die noch größere Kleinhäusler Grotte, die 8 km von Adelsberg entfernte, mit sehenswerten Stalaktiten erfüllte Magdalenenhöhle und die zuerst im Juli 1850 näher untersuchte Tropfsteinhöhle im sog. Bod-babji-sob-Gebirge bei Veldes in Oberkrain. Unter die interessantesten Erscheinungen des an Naturmerkwürdigkeiten reichen Landes gehört die Felsenbrücke von St. Kanzian, 40 m hoch, 50 m breit, mit einem vollkommenen Gewölbe von 20 m Höhe und 50 m Länge. Das Plateau im südwestl. Teile des Landes bedeckt der Birnbaumerwald, dessen kleinster Breitendurchschnitt 22 Em umfaßt, und der unter dem Namen Piuka-Planina bis an die Grenze von Kroatien sich fortsetzt. Auf dem mit schachtartigen Löchern übersäeten Karst erhält sich nur durch den angestrengtesten Fleiß eine spärliche Vegetation. Größere Thäler sind die Wurzen und Wochein. K. ist minder stark bewässert als die Nachbarländer. Mit Ausnahme der Idria und Wippach, welche sich in den Isonzo ergießen, gehören die Gewässer dem Flußgebiet der Save an, welche als schiffbarer Fluß, nach der Einmündung der Laibach, nur noch eine geringe Strecke im Lande bleibt. Ihr größter Zufluß ist die Kulpa an der südöstl. Landesgrenze. Die Unz oder Maunitz verliert sich unter der Erde; der Broschitzabach fließt in den Czirknitzersee (s. d.), neben welchem noch der Veldesersee und der Wocheiner zu bemerken sind. Vom Laibacher Moorgrunde ist bereits ein bedeutender Teil kultiviert, ein anderer zu Nachgrabungen benutzt worden, welche sehr interessante prähistor. Funde zu Tage fördern. Das Klima ist, abgesehen von den rauhen Gebirgsgegenden, mild, die mittlere Jahrestemperatur in Laibach 8½0 R., zu Möttling an der kroat. Grenze sogar 9½ R., daher in mehrern Landstrichen Klima und Vegetation schon die Nähe Italiens verkünden. Der heftige Nordostwind (Bora), von dem namentlich der südl. Teil des Landes getroffen wird, äußert seine zerstörende Wirkung bis tief in den Adriatischen Golf. (Hierzu eine Karte: Kärnten, Krain, Steiermark etc.) Die Bevölkerung beträgt (1882) 482 777 Individuen, meist Slowenen, nebst etwa 30000 Deutschen. Fast die ganze Bevölkerung bekennt sich zur kath. Kirche, und der Landesbischof zu Laibach ist das geistliche Oberhaupt. Der Bodenertrag des Landes reicht für den Bedarf seiner Bewohner nicht aus, weshalb bei einem großen Teile der untern Volksschicht Heidekorn, Hülsenfrüchte, einige Gemüse und Waldobst die hauptsächlichste Nahrung sind. Am Karst und um Wippach werden vorzügliche Weinsorten erzeugt und um Wippach auch viel Obst gewonnen. Flachs baut man in größerer Menge; von der größten Wichtigkeit aber ist die Waldkultur. Die mit Wald und Weide besetzte Oberfläche beträgt mehr als das Doppelte der Fläche, die mit Ackern, Wiesen, Obst⸗ und Weingärten besetzt ist. Der Viehstand belief sich 1881 auf 21975 Pferde, 156 Maultiere, 225144 Rinder, 67431 Schafe, 15636 Ziegen, 73130 Schweine und 32125 Bienenstöcke. An wildem Geflügel, Hasen und Pelztieren ist kein Mangel, selbst Bären sind nicht selten. Mehrere Flüsse und die Wocheiner Seen liefern viele Fische. Seidenkultur findet in den wärmern, an Görz grenzenden Gegenden statt. Die Hauptprodukte des Mineralreichs sind Eisen, Quecksilber und Braunkohlen; Idria (s. d.) ist (nächst Almaden in Spanien) das ergiebigste und wichtigste Quecksilberbergwerk Europas. K. produzierte 1882 in metrischen Centnern 469 680 Quecksilber, 91928 Eisenerz, 19388 Bleierz, 314 Zinkerz, 51193 Manganerz, 1304000 Braunkohle. Die Leinweberei und Anfertigung grober Spitzen ist weit verbreitet. Auch Wollzeuge, Flanells und grobe Tücher, wollene Strümpfe, viel gegerbtes mißt, sind unter C aufzusuchen. Leder, wozu man den Rohstoff meistens einführt, Eisen⸗ und Holzwaren werden produziert. Wichtiger als der Eigenhandel ist der Transitohandel. Der Verkehr wird durch Kunststraßen und die von Wien nach Triest über Laibach führende Eisenbahn gefördert. Für die intellektuelle Kultur sorgen 2 Obergymnasien, 2 Untergymnasien, 1 Oberrealschule, 1 Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, 260 öffentliche Volksschulen, 28 Notschulen, 11 Privatschulen; dazu eine Hebammenschule und die Studienbibliothek in Laibach. Die Landesverfassung beruht auf der Landesordnung vom 26. Febr. 1861. Danach besteht der Landtag aus dem Landesbischofe, 10 Abgeordneten des großen Grundbesitzes, 8 Abgeordneten der Städte und Industrialorte, 2 Abgeordneten der Handels-⸗ und Gewerbekammer in Laibach und 16 Abgeordneten der Landgemeinden, zusammen aus 37 Mitgliedern, die (mit Ausnahme des Bischofs) auf sechs Jahre gewählt werden. In das Abgeordnetenhaus des österr. Reichsrats entsendet K. sechs Deputierte. An der Spitze der polit. Verwaltung des Landes steht die k. k. Landesregierung in Laibach, welcher der Magistrat der Stadt Laibach und die 11 Bezirkshauptmannschaften des Landes untergeordnet sind. Die Justizbehörden (2 Landesgerichte und 28 Bezirksgerichte) stehen unter dem Oberlandesgericht in Graz. Für die Finanzverwaltung ist die Finanzdirektion in Laibach bestellt, von welcher 1 Hauptzollamt, 2Hauptsteuerämter und 28 Steuerämter abhängen. In militärischer Beziehung steht das Herzogtum K. unter dem Generalkommando in Graz. Das Wappen von K. ist ein gekrönter Adler, auf dessen Brust und ausgebreiteten Flügeln ein weiß und rot geschachter halber Mond. Geschichtliches. Seinen Namen hat K. seit der Einwanderung der Slowenen in die Ostalpen, welche hier den äußersten (südlichen) Landstrich bewohnten und von dem Worte Krai (Grenze) Krajnci, d. i. Grenz⸗ oder Markslawen, genannt wurden. Karl d. Gr. gab das von ihm eroberte Land (Carniola, Creinamarcha) dem Herzog von Friaul. Seit 972 erhielt es eigene Markgrafen, welche auf dem Schlosse Kieselstein bei Krainburg ihren Sitz hatten und von welchen einige den Herzogstitel führten. Doch erstreckte sich deren Herrschaft nur über einen Teil von K.; einen andern Landesteil besaßen die Herzöge von Kärnten. Schon Leopold der Starke, aus dem Geschlecht der Traungauer, brachte 1127 einige dieser Teile K.s nach dem Aussterben der kärntnischen Herzöge an sein Haus, und Friedrich der Streitbare hatte seine Besitzungen in K. durch seine Verbindung mit Agnes von Tirol schon so erweitert, daß er sich von 1233 an Herr von K.y schrieb. Derselbe wurde, als mit dem Ableben Bertholds 1245 die eigenen Markgrafen K.s erloschen, von Kaiser Friedrich II. mit deren Besitzungen belehnt, wodurch ein großer Teil K.s mit Österreich und Steiermark vereinigt ward. Den übrigen Teil besaßen die Grafen von Tirol. Erst nach deren Aussterben (1335) und nachdem zugleich Graf Albrecht IV. von Görz durch ein Erbvermächtnis den habsburg. Herzögen von Ssterreich die Nachfolge zugesagt hatte, gelangten 1364 die übrigen Teile K.s an Herzog Rudolf IV., der hierauf den Titel eines Herzogs von K. annahm. Seitdem ist dieses Land, bis auf die kurze Zwischenzeit 180913, in welcher es infolge des Wiener Friedens an Frankreich abgetreten und zu den Illyrischen Provinzen geschlagen ward, stets bei Osterreich geblieben. Seit 1816 bildete es als Gubernium Laihach einen Teil des Königreichs Illyrien, 1849 erhielt es seine Stellung als eigenes Kronland. Vgl. Hoff, Histor.⸗statisttopogr. Gemälde von K.v (2 Bde., Laibach 1808); Dimitz, (Geschichte K.s von der ältesten Zeit bis 18139 (4 Bde., Laibach 1874—76).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 564Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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