Kärnten oder Kärnthen, Herzogtum undKronland des Cisleithanischen Teils der Ssterreichisch-Ungarischen Monarchie, umgrenzt von Venetien, Tirol, Salzburg, Steiermark, Krain, Görz und Gradiska, zählt auf 10328 qkm (1882) 352 143 E. Der Boden ist großenteils gebirgig, mit langgestreckten Thälern, welche sich nur im Innern, wie das Drauthal bei Villach und Klagenfurt, zu größern Ebenen erweitern. Das Drauthal durchzieht das Land seiner größten Länge nach von W. gegen O. und scheidet dessen zwei Hauptgebirgszüge, nämlich Dim N. die vom Großglockner, an der Grenze gegen Salzburg und Tirol, ostwärts nach Untersteiermark hinziehenden Centralalpen Norische oder auchKärntnisch-Steiersche Alpen genannt), die anfangs mit einigen Gipfeln die Schneeregionen erreichen, in der Gegend von Villach noch 2000 m hoch aufsteigen, weiter im O. aber niedriger werden, und 2) im S. die südl. Kalkalpen (hier Kärntner oder Karnische Alpen genannt). Sie bilden eine mächtige Kette, die von Tirol aus auf der Wasserscheide gegen Piave und Tagliamento bis zum Terglou in Krain einerseits und in mehr östl. Richtung als Karawankengebirge zwischen der Drau und Save nach Steiermark fortzieht, mit nackten und wilden, im allgemeinen 1600—2000 m hohen Gipfeln, dann an der Ostgrenze in den Steiner Alpen und den domartigen Kuppen des Kots chnagebirges bis 2500m aufsteigt. Ein nördlicherer Zweig davon, zwischen dem Drau⸗ und Gailthale, endigt etwa 15 kKm von dem in der 500 m hohen villacher Ebene stattfindenden Zusammentreffen beider Thäler mit dem kahlen Felsenkamme des Dobratsch oder der Villacher Alp (2167 m hoch). Der Hauptfluß des Landes, die Drau (s. d.), nimmt links die Möll, Gurk und Lavant, rechts die Gail auf; nur die Fella hat ihren Abfluß außer Landes in den Tagliamento. Von den vielen Seen sind bemerkenswert der Millstädter⸗, Ossiacher-und Wörthsee im N., der Weißensee im S. der Drau. Das Klima ist im Gebirge rauh, in den untern Thälern mild. (Hierzu eine „Karte: Kärnten, Krain und Steiermark.) nDie Bevölkerung besteht zu mehr als zwei Dritt3teilen aus Deutschen, zu dem Reste aus Slowenen .etwa 97000), die hauptsächlich an der Drau wohnen und großenteils auch deutsch sprechen. Mit rAusnahme von 18000 Protestanten (Lutheranern) bekennen —5 die Einwohner zur kath. Kirche. Die M. men. Der Schlag der kärntner Pferde wird ge4. schätzt und ihre Zucht besonders im Gailthale nut Jagd beschränkt sich größtenteils auf Federwild und Hasen, doch findet sich in den Waldungen ges Rotwild, auf dem Hochgebirge Gemsen; Fuchse sind häufig; in rauhen Wintern trifft man auch Wölfe. Den Dere Bettoge K.s bilden die Mineralien, insbesondere Blei (das beste in Europa, namentlich im bleiberger Erzberge der Villacher Alp, dem größten und wichtigsten Bleiwerke der österr. Monarchie) „und Eisen. Neben Ackerbau, Viehzucht und Bergbau bildet die gewerbliche Industrie einen Hauptnahrungszweig; die erste Stelle nehmen hierbei die fabrif und Stahlwerke, Eisenwaren⸗ und Bleiweißfabriken ein. Der Handel des Landes wird durch gute Straßen und zwei Eisenbahnen gefördert, welche das Land nach verschiedener Richtung durchziehen: die Kronprinz-Rudolfs-Bahn von NO. nach [SW., in Tarvis mit Anschluß nach Udine, Görz und Laibach, und ein Zweig der Ssterreichischen Südbahn von Westen nach Osten mit einem Flügel in das Lavantthal. Für die intellektuelle Kultur sorgen 340 Volksschulen (1881) mit 1076 Lehrkräften und 39710 Schülern beiderlei Geschlechts, zwei Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungs- und eine theol. Lehranstalt. Die Verfassung des Landes beruht auf der Landesordnung vom 26. Febr. 1861, wonach der Landtag K.s aus 37 Mitgliedern besteht, nämlich aus dem Fürst-Bischof von Gurk, 10 Abgeordneten des großen Grundbesitzes, 9 Abgeordneten der Städte und Märkte, 3 Abgeordneten der Handels⸗ und Gewerbekammer zu Klagenfurt und 14 Abgeordneten der Landgemeinden. das Abgeordnetenhaus des österr. Reichsrats entsendet der Landtag fünf Mitglieder. An der Spitze der Landesverwaltung steht die Statthalterei in der Landeshauptstadt Klagenfurt; dieser sind 28 Bezirksämter, als die polit. Behörden in den 28 Bezirken, in welche das Land eingeteilt ist, nebst dem hauptstädtischen Magistrat untergeordnet. In judizieller Hinsicht gehört K. zum Sprengel des Oberlandesgerichts in Graz, unter welchem als erste Instanzen das Landesgericht in Klagenfurt, 1 Bezirksgericht und 27 Bezirksämter bestellt sind. Die Finanzverwaltung wird von der Finanzdirektion in Klagenfurt geleitet. In militärischer Beziehung steht das Land unter dem Generalkommando in Graz. „Geschichtliches. K. in, wie die Karnischen Alpen, von dem im Altertum hier und in Friaul wohnenden keltischen Volke der Carni benannt, deren Name wieder von den zackigen Felsspitzen (kelt. carn oder corn, lat. cornu, deutsch Horn) stammt. Es gehörte bis auf des Augustus Zeit zu Noricum und nach dessen Unterwerfung zum Römerreiche. Von der Hauptstadt im Bereiche K.s, Virunum, finden sich noch Spuren bei Maria⸗-Saal auf dem Zollfelde, wo im spätern Mittelalter die Huldigung der Landesfürsten stattfand. Als die Römer vom Lande Besitz nahmen, waren von den alten Karnern, die im fortwährenden Kampfe mit eindringenden Stämmen zusammenschmolzen, nur noch schwache überbleibsel in der südl. Alpenkette und in der Ebene von Friaul übrig, und auch diese gingen in der Flut der Völkerwanderung unter. Mittlerweile hatten sich auch in K. Slawen angesiedelt, die, zuerst mit den Avaren gegen die Longobarden und Bojer vereinigt, später durch den Druck der Avaren zur Empörung gegen diese getrieben wurden. Dies bot einem Franken, Namens Samo, der sich an ihre Spitze stellte, Gelegenheit, ein slaw. Reich R gründen, welches sich von K. und Krain bis nach Mähren, Böhmen und dem nördl. Ungarn ausdehnte, aber bald nach Samos Tode zerfiel und vom Bayernherzog Thassilo erobert wurde. Nach dessen Sturze (788) schlug Karl d. Gr. das Land zum Frankenreiche. Im Vertrage zu Verdun 843 tam mit Bayern auch K. an Ludwig den Deutschen und 876 an dessen Sohn Karlmann. Dieser erhob seinen natürlichen Sohn Arnulf zum Herzog von K., der nachmals König von Deutschland wurde. Unter ihm und seinem Sohne, Ludwig dem Kinde, gehörte K. wieder zu Bayern, bis Kaiser Otto II. 976 es als ein eigenes Herzogtum, vermehrt mit der Markgrafschaft Istrien und fast ganz Friaul, an Heinrich IJ. den Neffen des Bayernherzogs Arnulf, gab. Na dessen Tode kam K. an das herzogl. Geschlecht von Rheinfranken, und nach dem Ableben des Herzogs Konrad II. des Jüngern (1039) ließ Kaiser Konrad II. das Herzogtum unbesetzt. Kaiser Heinrich III. setzte den Grafen Welf von Altorf ein und Heinrichs IV. Mutter Agnes den Grafen Berthold von Zähringen, dessen Dynastie fortan immer den Titel als Herzöge von K. führte, obgleich schon nach Bertholds Tode 1077 eine Reihe von Herzögen aus andern Häusern, von Eppenstein, von Istrien, von Lavant, folgte, die seit 1201 auch Herren von Krain waren. Der letzte Herzog, Ulrich III., vermachte K. seinem Vetter, König Ottokar II. von Böhmen (1269). Als dieser 1278 von Rudolf von Habsburg besiegt wurde, kam K. mit Krain als erledigtes Lehn ans Deutsche Reich zurück und wurde 1286 von demselben Rudolf an den Grafen Meinhard von Tirol mit der Bedingung verliehen, daß es nach Erlöschen seines Mannsstammes an Ssterreich fallen sollte. Als nun die Grafen von Tirol 1335 ausstarben, behielt die Tochter des letzten, Margarete Maultasch, Tirol; K. aber gab Kaiser Ludwig der Bayer den Herzögen von Osterreich und Steiermark. Seitdem ist K. bei Osterreich geblieben. Es wurde in Unter⸗ und Oberkärnten geteilt, wovon letzteres 1809 an Frankreich zu dessen illyr. Provinzen fiel, 1813 aber wieder zurückerobert ward und 1816 als Klagenfurter und Villacher Kreis zum Gubernium Laibach des Königreichs Illyrien geschlagen wurde. Seit 1849 bildet K. ein eigenes Kronland. Vgl. Ankershofen, „Handbuch der Geschichte des Herzogtums K.y (Bd. 1—4, Klagenf. 1857—74); Amthor und Jabornegg-Gamsenegg, Kärntnerführer» (Gera 1874); Rosegger, Pichler und Rauschenfels, Wanderungen durch Steiermark und K.5 (Stuttg. 1879); Radics, In K. (Wien 1882); Alschker, «Geschichte K.3 (Klagenf. 1882fg.); Rabl, (Illustrierter Führer durch K.v (Wien 1884). Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X.