FeedAdelsberg
ErdkundeBrockhaus 1882

Adelsberg, Marktflecken und Hauptort eines Bezirksamts im österr. Herzogtum Krain, liegt auf dem öden, höhlenreichen Kalksteinplateau des Karst und an der Spaabl halbwegs zwischen Laibach und Triest, und zählt (1880) 1720 (Gemeinde: 3535) CE. Hinter dem Orte erhebt sich eine kahle, groteske Felswand, welche die Ruinen der Adlersburg trägt. Eine halbe Stunde nordwestlich befindet sich die berühmte Adelsberger Grotte, die bedeutendste dicher des Karst und überhaupt eine der merkwürdigsten Höhlen der Erde, 4172 m lang. Dieselbe besteht aus fünf verschiedenen Abteilungen. In die erste oder vorderste tritt der Poikfluß ein und läßt sich in ihr noch 720 m weit befahren, bis er unter einer Felswand verschwindet; ungefähr 10 müber dem Eintritte des Flusses liegt der eigentliche Eingang, hinter welchem eine 30 m lange, über den Fluß gewölbte Kalksteinbrücke zu der Neptunsgrotte oder dem Großen Dom von 22 m Höhe und 48 m Breite führt, der eine große Anzahl der interessantesten Tropfsteingebilde ent⸗ —27⁷ So weit reicht die wenigstens schon seit 1218 ekannte sog. Alte Grotte, und erst 1816 wurde der Eingang zu der Neuen Grotte oder dem weitern uge der Höhle entdeckt, der zunächst in die Kaisererdinands-Grotte, einen zum Teil 95 m hohen, ich mehrfach zu großartigen Hallen erweiternden Gang, Wsaa Diese Hallen sind der Reihe nach: in welchem jährlich am Wingstmontage ein Tanzfest abgehalten wird; weiter die »Reitschule o, dann die Halle des Kalvarienbergs, welche 57 m hoch, 196 m breit, 204 m lang it und den 57 m hohen (Kalvarienberg umschließt. Letzterer wird gebildet durch die Trümmer vieler Hunderte von Säulen in den kolossalsten Dimensionen und von allen Farbenstufen zwischen blendendem Weiß und Rotbraun. Die dritte Abteilung Ieneß in einem 2360 m langen Gange, der durch die seltsame Scenerie des »Tropfbrunnens » überrascht und mit der nackten Wand des 4Tartarus» abschließt. Die vierte Abteilung ist die Erzherzog-Johanns-Grotte, die sich hinter dem Vorhangy (1370 m vom ch die eingange) öffnet und in welcher man vorzüglich die „(Gotische Haller und den «Kleinen Borhang v bewundert. Die fünfte Abteilung endlich bildet die Franz-Joseph⸗ und Elisabeth-Grotte, zu welcher man aus der Alten Grotte durch einen ganz neuen Durchbruch im Felsen gelangt und deren Hauptzierde der Kleine Kalvarienberg o ist. Der ganze richger uund bietet eine außerordentliche Menge rie Ioe und wunderbar gestalteter Tropfsteingebilde, die teils den Wünden von der Decke oder wie Draperien an den Eten, Pfeiler und e (Stalaktiten), teils wie Obelisken, Pfeiler und Säulen vom Boden emporstarren (Stalagmiten). Eine Stunde nördlich von A. liegt die Schwarze oder Magdalenengrotte, berühmt als erster Fundort des Fischmolchs Olm oder Proteus (Proteus anguinus), und noch eine Viertelstunde weiter die durch eine oben geöffnete Poikhöhle, beide in der Tiefe von Gewässern Seichoei. t und durch Stalaktitenebilde ausgezeichnet. Vgl. Schmidl, Zur 4.— unde des Karsty (Wien 1854); derselbe, «Wegweiser in die Adelsberger Grotte » (2. Aufl., Wien 1858); Rieger, „Die Grotte von A. » (12 Blatt, Triest 1862); Costa, «Die Adelsberger Grotte » (2. Aufl., Laibach 1863) .

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 142Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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