FeedKrapp
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Krapp heißt die in der Färberei vielgebrauchte Wurzel der Färberröte (s. d.), welche in Südfrankreich, in Holland und einigen Gegenden Deutschlands (im Elsaß, in Baden und in der bayr. Pfalz) angebaut wird. Für die besten gelten die levantiner (Alizari) und die avignoner Krappwurzeln. Gegenwärtig gelangt der K. meist gemahlen in den Handel, wobei man sich vor Verfälschungen in Acht zu nehmen hat. Beraubter Krapp heißt der von den Rindenteilen befreite, der gestoßen als Mull eine schlechte rote Farbe gibt. Der K. enthält eine Anzahl Farbestoffe: Krapppurpur, Krapprot, Krapporange, Krappgelb und Krappbraun, von denen nur die drei ersten in der Färberei benutzt werden können. Der K. ist unter allen Farben für Baumwolle die echteste und wichtigste, da er bei verschiedener Konzentration und mit Anwendung verschiedener Beizen (Thonerde-, Zinn- und Eisenbeize) alle Nuancen von Rosa bis Schwarzrot, alle violetten und viele braune Nuancen zu färben erlaubt. Die feurigste und echteste Krappfarbe aber ist das sog. Türkischrot, welches man in der Schweiz, in Rouen, im Elsaß, in Elberfeld u. s. w. besonders auf rmißt, sind unter C aufzusuchen. 37 Baumwollgarne und Gewebe anwendet. Auch für die Malerei und als Druckfarbe hat man das Rot des K. anzuwenden gesucht und bedient sich dazu der Krapplacke, d. h. der Niederschläge, die man in Krappabkochungen durch Alaun und Soda erhält, und die also Verbindungen des Krapprots mit Thonerde sind. Besonders schön verfertigt man die Krapplacke in Paris. Von dem im Orient ebenfalls kultivierten fremden Krapp (Rubia peregrina) soll der an Farbestoff besonders reiche levantische oder smyrnaische K. oder Alizari kommen. Die Wurzeln des glänzenden Krapp (R. ucida) werden auf gleiche Weise benutzt. In Ostindien verwendet man die Wurzeln des indischen Krapp (R. Munjista), der auch nach England gebracht wird. Was die Natur der Krappfarbestoffe betrifft, so haben neuere Untersuchungen gezeigt, daß diese Wurzel in frischem Zustande nur zwei Farbestoffe, die von Rochleder entdeckte Ruberythrinsäure (früher Xanthin genannt) und das Purpurin enthält. Erstere Säure zerfällt unter dem Einflusse von Fermenten und verdünnten Säuren in den eigentlichen Färbestoff des K., das Alizarin, und in Zucker. Nach den Untersuchungen von Gräbe und Liebermann ist das Alizarin (s. d.) ein Abkömmling des im Steinkohlenteer sich findenden Kohlenwasserstoffs, des Anthracen (s. d.). Den genannten Chemikern ist es 1868 gelungen, das Anthracen in Alizarin überzuführen und somit die Krappfarbestoffe künstlich darzustellen. Seit jener Zeit ist ein blühender Industriezweig entstanden, der sich mit der Fabrikation von künstlichem Alizarin befaßt und dem Krappbau in hohem Grade Abbruch gethan hat. Außer dem Alizarin findet sich im K. noch ein roter Körper, das Purpurin oder Rubiacin, das für sich ohne Färbevermögen, aber in Verbindung mit Alizarin den Färbeprozeß unterstützt. Die echten roten Farben auf Wolle und Baumwolle (Türkischrot) werden trotz der künstlichen Alizarinfarben immer noch zum Teil mittels K. erzielt. Krapppräparate, welche aus Krappwurzel dargestellt werden und die Krappfarbestoffe in konzentrierter Form enthalten, sind außer dem Garancin die Krappblume nelleurs de garance), die Azalelvon azala, einer arab. Benennung des K.), das Colorin und das Pincoffin. lacke, s. u. Krapp.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 579Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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