Krasinski (Sigmund), poln. Dichter, geb. zu Gehn 19. Febr. 1812 aus einem der edelsten poln. eschlechter, war der Sohn des Grafen Vincenz K. (geb. 1782, gest. 1858 als russ. General der Kavallerie und Mitglied des Staatsrats). Sigmund K. besuchte das Lyceum und die Universität zu Warschau und begab sich 1828 nach der Schweiz. Von glühendem Patriotismus beseelt, lebte er seit 1836, kränklich und zuletzt fast erblindet, meist in Italien und Deutschland, wo er seinem Schmerz in Gedichten Ausdruck gab, die in allen slaw. Ländern die höchste Begeisterung erregten. Schon früher hatte er eine Erzählung „Das Grab der Familie Reichsthalo und den histor. Roman „Wladyslaw Hermann und sein Hofe (Warsch. 1829) erscheinen lassen. Die großartigsten seiner Schöpfungen sind die Nieboska komedyas (Ungöttliche Komödier, deutsch von Batornicki, Lpz. 1841) und „Irydion (deutsch von Weiß, Lpz. 1881), in welchem er in mystisch-poetischen Bildern aus dem in Ruinen zerfallenden heidnischen Rom auf die schönere Zukunft der Menschheit hinweist, die ihr nach seiner überzeugung beschieden ist. Außerdem hat man von ihm Die Sommernachteo (Noc letniao, deutsch von Blumenstock, Wien 1881), ein phantastisch-philos. Gedicht, Die Versuchunge (4l'okusay, deutsch von Stroka, Lpz. 1882), ein an die Apokalypse erinnerndes Fragment, eine Reihe von Canzonen unter dem Titel Przedswito (Morgendämmerungo), endlich die Psalmen der Zukunft⸗ (Psalmy przyszloscio, 5. Aufl., Par. 1861), in denen sich neben der wärmsten Vaterlandsliebe eine tiefe Frömmigkeit ausspricht. K. starb zu Paris 14. Febr. 1859. Eine Gesamtausgabe der Werke K.s (3 Bde., Lpz. 1863) erschien in der Biblioteka pisarzy polskichy. Graf Valerian K., aus dem evang. Zweige der Familie, geb. 1786, erwarb sich auf deutschen Universitäten eine vielseitige Bildung und ging 1831 in Aufträgen der poln. provisorischen Regierung nach England, wo er nach dem Fall Warschaus sich bleibend niederließ. Hier veröffentlichte er mehrere, die polit. und religiösen Zustände Polens behandelnde Werke, namentlich Rise, progress and decline of the reformation in Polando (2 Bde., Lond. 1839—40; deutsch von Lindau, Lpz. 1841) und «Sketch of the religious history of the Slavonic nationso (Edinb. 1851). Er starb zu Edinburgh 22. Dez. 1855.