Goszezynski (Severin), poln. Dichter, geb. 1803 zu Ilince in der Ukraine, empfing den ersten Schulunterricht in Human, die höhere Ausbildung auf der Universität Warschau. Die düstere Natur seiner Heimat, das kriegerische Steppenleben der einst freien Kosaken, die wehmütigen Sagen und Lieder des Volks, die Erinnerungen an die blutigen Aufstände der Haidamaken weckten frühzeitig seinen Dichtergeist. Er ist durchweg originell, ebenso in der Erfindung wie im Ausdruck, seine Charakter⸗, Lebens⸗ und Naturschilderungen sind meisterhaft, aber der Geist seiner Dichtungen im ganzen wild und leidenschaftlich, finster und grauenhaft. So erscheint er namentlich in seiner bedeutendsten, nach Volkstradition gedichteten größern epischen Erzählung amek Kaniowskid (Das Schloß zu Kaniowe, Warsch. 1828). Beim Ausbruch der poln. Revolution gehörte er zu denjenigen, die 29. Nov. 1830 den Großfürsten Konstantin im Belvedere überfielen. Er trat sodann in die Reihen der Vaterlandsverteidiger, und oft erschallten seine feurigen Kriegsgesänge in den Lagern und während der Angriffe. Nachdem Polen unterlegen, verließ er das Vaterland und lebte bald in der Schweiz, bald in Frankreich. Hier schrieb er in Prosa mehrere gelungene Erzählungen, als «Straszny strzeleco und „Krôl zamezyskas, übersetzte den Ossian und gab drei Bändchen Revolutionslieder unter dem Titel (Tray strunyn (Straßb. 1839) heraus. Später machte sich bei G. eine innere Wandlung geltend, indem er sich der Towianskischen ung sener igiösen Sekte anschloß. In der Sammlung seiner Werke (Dzielar, 3 Bde., Bresl. 1852) befindet sich auch sein Gedicht cSobötkay (Die Johannisfeiero), das schöne Schilderungen der Karpaten enthält. Eine neue Ausgabe seiner sämtlichen Poezjes erschien 1875 (2 Bde., Lpz.). Seine letzten Lebensjahre brachte er in Lemberg zu, wo er 25. Febr. 1876 starb.