FeedKremsier (slaw. Kromskiz)
ErdkundeBrockhaus 1882

Kremsier (slaw. Kromskiz), Stadt mit eigenem Statut im österr. Kronlande Mähren, liegt in der fruchtbaren Ebene Hanna an der hier zweimal überbrückten March, ist Station der Lokalbahn Hullein-Zborowitz, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und eines Finanzkommissariats, so- wie Sommerresidenz des 2 Mauern von Olmütz, besteht aus der von alten Mauern umschlossenen innern Stadt mit der Judenstadt und fünf Vorstädten und zählt (1880) 11816 E., worunter 2836 Deutsche. Der geräumige Hauptplatz war bis 1865 von sog. Lauben umgeben; auf ihm steht eine schöne Mariensäule. Bemerkenswerte Gebäude sind die Kollegiatkirche zu St.Mauritz, mehrmals umgebaut, mit zwei 64,m hohen Türmen, zwei andere Kirchen und der prächtige alerie n Palast nebst herrlichem Park, Gemäldegalerie, mineralog. und physik. rmißt, sind unter C aufzusuchen. Kabinett, undeinbohen und Bibliothek. K. hat ein deutsches und ein böhm. Gymnasium, eine Ackerbauschule, ein Knabenseminar und zwei Musilschulen. Die Bewohner betreiben beträchtlichen Handel, besonders mit Obst, Getreide und Vieh; auch bestehen hier eine erzbischöfl. Mahlmühle, zwei Brauereien, eine Aktienzuckerfabrik und zwei Malzfabriken. — K. wurde 1131 Sitz des Bistums, litt bedeutend in dem Hussitenkriege und ward 26. Juli 1643 von den Schweden unter Torstenson erstürmt und verbrannt. Der erzbischöfl. Palast, welcher von Erzbischof Karl von Liechtenstein (1664 - 98) neu aufgebaut und nach dem Brande von 1752 von Leopold Friedrich wiederhergestellt worden ist, diente 1848 dem von Wien hierher verlegten ersten österr. Reichstag, welcher 15. Nov. 1848 eröffnet und 7. März 1849 aufgelöst wurde, als Sitzungslokal.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 597Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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