FeedKreuz (altdeutsch chruzi)
ReligionBrockhaus 1882

Kreuz (altdeutsch chruzi), ein aus zwei, sich gewöhnlich rechtwinkelig, seltener schiefwinkelig(schräg) durchschneidenden Teilen gebildeter Körper. Das Kreuz war bei den Alten ursprünglich in der Form Nein sehr häufig vorkommendes Werkzeug zur Ausführung der Todesstrafe. Die einzelnen Bestandteile des K. bildeten der Pfahl, welcher senkrecht in der Erde befestigt wurde (erux im engern und eigentlichen Sinne), und der horizontale Querbalken (patibulum), der zur Befestigung der Arme diente. Die Einführung der Todesstrafe am K. wird dem König Tarquinius Superbus beigelegt. Sie war eine so entehrende Strafe, daß sie nur an Sklaven und Verbrechern der niedrigsten Volksklasse vollzogen wurde. Das K. errichtete man außerhalb der Städte, aber an Orten, welche sehr belebt waren. Der Name des Verbrechers und die Ursache der Strafe wurde durch Ausruf bekannt gemacht oder auf einer über dem K. befestigten Tafel (album, titulus) verzeichnet. Die Kreuzigung war eine der qualvollsten Todesarten; der Tod trat langsam ein, bisweilen starben die Gekreuzigten erst am zweiten oder dritten Tage. Das Christentum hat im Kreuzestode Christi die Offenbarung der erlösenden Gnade Gottes, im Zeichen des K. (welches dann die Form annahm) das Symbol dieser Offenbarung, des tiefsten Schmerzes und des höchsten Heils gefunden. So ward das K. das Erkennungszeichen der Christen, und schon im 3. Jahrh. begegnet uns der Gebrauch, sich zum Andenken Jesu zu bekreuzigen. Kaiser Konstantin d. Gr. ließ seit dem Siege über Maxentius das K. auf öffentlichen Plätzen, in Palästen und Kirchen aufstellen. Gegen Mitte des 4. Jahrh. glaubte man das K. Jesu in Jerüsalem wieder aufgefunden zu haben, und alsbald wurden Hunderttausende von Splittern des wahren K. nach allen Weltgegenden versandt, ohne daß dieses kleiner geworden sein soll. Die Sage schrieb seit Ende des 4. Jahrh. die Auffindung des K. Christi der Kaiserin Helena, der Mutter Konstantins, zu, eine andere, noch fabelhaftere Legende nannte dafür die angebliche Gemahlin des Kaisers Claudius, Patronike oder Protonike. (S. Atttern oder Rachdnl Seitdem legte man den Splittern oder Nachbildungen des K. Wunderkraft bei, stellte es auf den Altären auf, schmückte Fahnen und Waffen damit. Der Kaiser Heraklius glaubte das Palladium seines Reichs wiedererobert zu haben, als er das zu Jerusalem aufbewahrte Stück des Kreuzholzes wiedergewann. Zum Andenken an diese Wiedergewinnung wurde das Fest der Kreuzeserhöhung (14. Sept.) gestiftet. Seit dem 6. oder 7. Jahrh. kommen im Abendlande die ersten anden Oud (I. d.), Kreuze mit dem Bilde des sterbenden Erlösers, auf. Das anze Mittelalter hindurch, ja teilweise bis auf die egenwart herab, hat man dem K. geheime Kräfte zugeschrieben (3. B. die Kreuzprobe oder das Kreuzgericht bei den Ordalien) und es als ein Schutzmittel gegen böse Geister betrachtet; daher das Zeichen des K. über manchen Haus⸗ und Stallthüren der Landleute, das zu Walpurgis erneuert wird. Vgl. Stockbauer, «Kunstgeschichte des K. v 1695900• 1870), Zöckler, Das K. Christid (Gütersloh 1875); E. von Bunsen, «Das Symbol des K. bei allen Nationen⸗ (Berl. 1876); Fulda, (Das K. und die Kreuziung (Bresl. 1878); Lipsius, Das Zeichen des K.» (in der „Deutschen Revuev, 1884). In der Heraldik kommt das K. sehr früh und häufig vor und hat, wie kein anderes Wappenbild, die verschiedenartigsten Gestalten angenommen. Wenn auch bei einigen Geschlechtern des Uradels, namentlich der roman. Länder, die Teilnahme an den Kreuzzügen den Anlaß zur Aufnahme des K. in das Wappen gegeben haben mag, so kann man dieses Motiv doch nicht für die große Menge der Kreuzeswappen annehmen. In der Heraldik zerfallen die K. in: I. Anstehende, deren Arme die Schildesränder berühren, und welche eingeteilt werden in 1) gemeine K., zu denen z. B. das engl. Georgskreuz, der Danebrog, das italienische sog. Volkskreuz, das Tatzen-oder mantuanische K. und viele Abarten, wie das Stufen⸗, Münzen⸗, Rauten⸗, Faden⸗ und Zwillingskreuz, gehören; 2) Andreas- oder Schrägkreuze, auch burgundische genannt. II. Schwebende oder abgeledigte K. Diese zerfallen wieder in 1) gemeine, wie z. B. das K. im Wappen der Schweiz, ferner das K. mit Nagelspitze, auch Palissadenkreuz genannt, das Stern⸗, Haken⸗, Maueranker⸗, Anker⸗, Mühleisen⸗, das Toulouser⸗ oder Tolosaner⸗, auch Prinzen⸗ oder Schlüsselring⸗, das Kleeblatt⸗ oder Mauritius⸗, das Lilienkreuz u. a. m.; 2) Andreas⸗ oder Schrägkreuze; 3) vermehrte schwebende K., wie das Krücken⸗, das Doppelkrücken⸗ und das Jerusalemskreuz; 4) breitendige gemeine K., mit Lilien besetzt, mit Nagelspitze, mit acht Spitzen (Malteserkreuz) u. s. w.; 5) gestümmelte K. III. Hoch- und Passionskreuze, welche nicht gleicharmig wie die vorstehenden, sondern die Gestalt des wirklichen K. des Erlösers haben. Sie sind einarmig, zweiarmig (wie das ungarische, das lothringische und das russische K.), oder drei⸗ und vierarmig. Besondere Hochkreuze sind das Antonius⸗, das Schächer-, das Jakobs⸗, das Katharinenkreuz u. s. w. Vgl. Biedermann, „Die Kreuze in der Heraldiklim Jahrbuch des Vereins Adler», Wien 1874). reu (südliches), Sternbild, s. Südliches reuz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 602Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6