FeedKarneädes
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Karneädes, griech. Philosoph, gewöhnlich der Stifter der mittlern oder der dritten Akademie genannt, war aus Cyrene gebürtig und lebte 214— 129 v. Chr. In Athen horte er die Vorträge mehrerer Stoiker und Akademiker. Seine feine dialektische Beredsamkeit bewirkte, daß ihn die Athenienser nebst dem Stoiker Diogenes und dem Peripatetiker Kritolaos 155 v. Chr. als Gesandten nach Rom sendeten. Hier machte er großes Aufsehen, besonders dadurch, daß er das eine mal für, das andere mal gegen Recht und Gerechtigkeit mit gleich glänzender Dialektik sprach, weshalb der Censor Cato ihn und seine Begleiter so schnell als möglich von Rom zu entfernen suchte. In der Akademie lehrte er sodann bis zu seinem Tode. Er selbst soll nichts Schriftliches hinterlassen haben; die Aufbewahrung seiner Ansichten verdanken wir seinem Schüler Klitomachos und namentlich der Darstellung des Sextus irikus. K. führte die schon von Arcesilaus (s. d.) angelegte skeptische Wendung der Platonischen Akademie zu energischer Durchbildung fort und betämpfte die von den Epikureern und Stoikern angestellten Versuche, ein zweifelloses Kriterium der Wahrheit aufzustellen. Indem er sich zu der Lehre des Arcesilaus bekannte, daß in den subjektiven Überzeugungen der Menschen nur ein höherer oder geringerer Grad von Wahrscheinlichkeit gesucht werden dürfe, begnügte er sich nicht mit dieser allgemeinen Behauptung, sondern suchte auch die Grade der Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Karneen — ein Fest zu Ehren des Apollon Karneios, ursprünglich als eines Bedeuters der Herden, wurde aber dann in allgemeinerer Bedeutung als Sommerfest, namentlich mit Bezug auf den Beginn der Weinlese, hernach von den Doriern wesentlich als Kriegerfest begangen. Speziell in Sparta fand es im Hochsommer (August) unter Bräuchen, welche das Lagerleben im Kriege vergegenwärtigten, und frühe schon auch mit musikalischen Wettkämpfen statt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 143Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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