Vellejus Paterculus, röm. Geschichtschreiber aus der Zeit des Kaisers Tiberius, Sohn eines Reiterobersten des Augustus, diente in derselben Eigenschaft, sowie hernachauch in höhern Stellungen unter Tiberius und begleitete diesen auf den Feldzugen in Germanien und Pannonien. Nach seiner Rückkehr wurde er in Rom Prätor; seine weitern Schicksale sind unbekannt. Die Historiae Romanae des V. in zwei Büchern sind ein kurzer Abriß der röm. Geschichte von der Ankunft des Aneas in Italien bis zum J. 30 n. Chr. Im ersten Buche sind die Geschichten sehr kurz gefaßt, überdies auch nur fragmentarisch erhalten. Im zweiten Buche, wo der Verfasser näher liegende Zeiten behandelt, wird das Werk ausführlicher und ist daher, trotz seines durch die Stellung und den Charakter des V. gegebenen höfischen Charakters, eine wichtige Quelle. Am Ende des ersten Buchs findet sich auch eine Art Abriß der griech. und röm. Litteraturgeschichte. V. ist weder im histor. Urteil noch in der histor. Kunst ein Meister. Seine Sprache ist ziemlich rein. Zur Wahl mancher gesuchter Ausdrücke war er ebensowohl durch das in der Anlage begründete Streben nach Kürze wie durch die Art seiner Zeit veranlaßt. In der Geschichte der lat. Sprache zählt V. als der Anfänger der silbernen Latinität. Die einzige Handschrift, die eine Quelle für V. bildet, im Kloster Murbach im Elsaß entdeckt, ist jetzt verloren und existiert nur noch in der danach veranstalteten Ausgabe des Rhenanus (Bas. 1520). Neuere Ausgaben besorgten Kritz (Lpz. 1848), Haase (2. Aufl., Lpz. 1858) und Halm (Lpz. 1876), übersetzungen Götte (Stuttg. 1833/ und Eyssenhardt (Stuttg. 1865).