FeedKuhn (Franz Felix Adalbert)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Kuhn (Franz Felix Adalbert), ausgezeichneter Sprachforscher und Mytholog, geb. 19. Nov. 1812 zu Königsberg in der Neumark, besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin und studierte 1833—37 daselbst Philologie. Hierauf trat er als Schulamtskandidat beim Köllnischen Gymnasium ein, an welchem er 1841 zum ord. Lehrer, 1856 zum Professor, 1870 zum Direktor aufrückte; er starb bald nach seiner Pensionierung 5. Mai 1881. K. war der erste europ. Gelehrte, der nach dem Erscheinen des Rosenschen Rig-Veda (1838) eine übersicht der Eigentümlichkeiten der Sprache der Veden zu geben versuchte. In der bahnbrechend gewordenen Schrift Zur ältesten Geschichte der indogerman. Völkerd (Berl. 1845; erweitert in Webers Ind. Studienv, Bd. 1, Berl. 1850) entwarf er mit Hilfe gewissenhafter etymolog. Untersuchungen die Grundzüge zu einem Bilde der Kulturzustände des indogerman. Urvolks. Zahlreiche Arbeiten K.s aus dem Gebiete der vergleichenden Sprachforschung finden sich in der „Zeitschrift für vergleichende Sprachforschungo und den Beiträgen zur vergleichenden Sprachforschungo, von denen er die erstere 1851 mit Aufrecht begann und dann allein fortführte, die letztern 1856 mit Schleicher begründete, und welche beide seit 1875 zu einer Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogerman. Spracheno vereinigt sind. Eine ganz neue Disciplin, die vergleichende Mythologie, wurde von K. erst begründet. Seine Monographie Die Herabkunft des Feuers und des Göttertranksv(Berl. 1859) ist als Muster für Forschungen dieser Art anerkannt. Vorzügliches leistete K. auch auf dem Gebiete der deutschen Mythen-und Sagenforschung; außer Beiträgen zu Fachzeitschriften gehören hierher Märkische Sagen und Märchenv (Berl. 1843), Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräucher (mit Schwartz, Lpz. 1848) und (Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfaleno (2 Bde., Lpz. 1859). Sein Sohn, Ernst Wilhelm Adalbert K., geb. 7. Febr. 1846, studierte in Berlin und Tübingen, docierte seit 1871 an den Universitäten Halle, Leipzig, Heidelberg und wurde Ostern 1877 Professor des Sanskrit an der Universität München. Er veröffentlichte u. a. Beiträge zur Päligrammatiko (Berl. 1871), über Herkunft und Sprache der transgangetischen Völker» (Münch. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 655Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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