Kurs wird der Marktpreis der Geldsorten, welche nicht der Landeswährung angehören, sowie der Preis, um welchen Wechsel zu kaufen und zu verkaufen sind, ferner der Marktpreis der Staatspapiere, Aktien und sonstiger Wertpapiere genannt. Ein den bestehenden Konjunkturen wirklich entsprechender K. kann sich natürlich nur auf einem größern Markte bilden, da die Preise, die bei vereinzelten, vielleicht unter dem Drange der Not zu Stande gekommenen Geschäften vereinbart werden, ven Charakter der Zufälligkeit tragen. Der Markt für die angegebenen Wertobjekte ist die Börse, und hier bestimmt sich der K. derselben unmittelbar nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, das aber seinerseits wieder von sachlichen Momenten abhängt. Bei den Staatspapieren sind einmal deren Zinsfuß und der Kredit des emittierenden Staats, dann aber die anderweite Ertragsfähigkeit des dafür zu gebenden Geldes (der eben herrschende Zins- und Discontofuß) maßgebend, bei dem K. der Aktien einerseits die Rentabilität und Aussicht des Aktienunternehmens, andererseits auch das zuletzt hinsichtlich der Staatspapierkurse gedachte Moment. Der K. der fremden Geldsorten kann sich, falls dieselben nicht etwa einen künstlich erhöhten Kreditwert haben, nicht weit von ihrem innern Metallwert in Gold oder Silber entfernen. Es fragt sich bloß, ob es vorteilhafter ist, sie einzuschmelzen, oder sie als Zahlungsmittel in ihre Heimat zurückzusenden. Der K. des Barrengoldes kann in einem Lande mit Goldwährung nur innerhalb der durch die Kosten der Prägung oder des Eintausches gegen Banknoten gezogenen Grenzen schwanken. Von besonderer Wichtigkeit für den auswärtigen Handel ist der K. der auf ausländische Valuta lautenden Wechsel (Devisen), da diese ein billiger zu versendendes Zahlungsmittel bilden, als das bare Geld. Hat also ein Land wegen starker Wareneinfuhr große Zahlungen an ein anderes zu leisten, so wird der K. der Wechsel auf das letztere über das Pari, d. h. über den dem fremden Gelde nach seinem in⸗⸗ nern Gehalte zukommenden Werte steigen, natürlich mit i der Wechien der längern oder kürzern Verfallzeit der Wechsel. Dieses Steigen findet [ jedoch in dem sog. Metallpunkt oder Goldpunkt seine Grenze, nämlich in dem K., bei welchem die Kosten der Edelmetallversendung gedeckt sind. Umgekehrt werden an einem Platze die K. von Wechseln, welche zur Ausgleichung von Forderungen eines andern Platzes gut verwendbar, dann niedrig sein, wenn die Forderungen des letztern Platzes an den erstern sehr gering sind. Auch in diesem Falle ist eine Grenze gezogen, nämlich bei dem K., bei welchem es vorteilhafter wird, die Wechsel im Aus⸗( lande einlösen und das Edelmetall herüberkommen 1 zu lassen. Die Arbitrage sorgt dafür, daß die K.7 der Wechsel wie der Effekten an den verschiedenen Plätzen im richtigen Verhältnis zueinander bleiben, indem sie die momentan auftretenden Differenzen durch Kaufen an dem einen Platze und Verkaufen an dem andern ausgleicht. Der Stand der sämtlichen K. größerer Handelsplätze wird durch sog. Kurszettel seitens eigens der Anfertigung solcher Listen bestellter Behörden (Börsenkorporationen etc.) veröffentlicht. Die Kurszettel geben die Preise, die höchsten und niedrigsten oder die Mittelpreise, an, zu denen die bezüglichen Geldsorten, Wechsel und Effekten an einem bestimmten Tage an der Börse wirklich verkauft, oder nur verlangt, oder nur angeboten worden sind. Um solche Kurszettel zu verstehen, muß man die usanzmäßig eingeführten Notierungsformen kennen. Manche Aktien werden z. B. nicht nach ihrem absoluten Preise, sondern in Prozenten ihres Nennwertes notiert; bei fremden Staatspapieren wird oft ein festes Umrechnungsverhältnis für die ausländische Valuta zu Grunde gelegt u. s. w. Was die Wechsel betrifft, so steht an jedem Platze usanzmäßig fest, ob beim K. auf einen gewissen andern Ort dieser letztere die feste Valuta hat, was der gewöhnliche Fall ist, oder ob die feste Valuta auf seiten jenes erstern Platzes sich befindet, sodaß der bezügliche K. eine gewisse veränderliche Zahl Geldeinheiten des Zielplatzes angibt. So hat z. B. in den bei weitem meisten londoner Wechselkursen London selbst die feste Valuta, und dessen K. auf die deutschen Wechselplätze ist z. B. 20,75 deutsche Mark (Wechselbelauf) für 1 Pfd. St. (bar); dagegen hat beim londoner K. auf Petersburg und Moskau London die veränderliche Valuta, indem derselbe mit (mehr oder weniger) 32¼¾ Pence Sterling für 1 Silberrubel russ. Papiergeldwährung notiert wird. Zum Verständnis der Kurszettel ist ferner nötig, daß man die Bedeutung der Rubriken kenne, unter denen die K. notiert werden. Es sind deren zwei, von denen die eine die geforderten, die andere die gebotenen K. enthält; die erstere wird gewöhnlich überschrieben: Briefep oder „Briefo (d. h. Wechselbriefe, oft abgekürzt in Br.), auch wohl «Angeboteno oder Papiero, im amtlichen wiener Kursblatt Warey; die letztere: „Geldo oder auch 4Gesucht v. In Frankreich schreibt man statt dessen bezüglich L. (Lettres), P. (Papier) oder O. (Offert) und A. (Argent) oder D. (Demandé), in England, den Vereinigten Staaten von Amerika, Britisch-Ostindien und Britisch-Nordamerika bezüglich B. (Bills) oder P. (Paper) und M. (Money). Die thatsächlich bezahlten K. (bisweilen sind solche bloß nominell, wenn nämlich keine Käufe stattgefunden haben) liegen der Regel nach in der Mitte zwischen den Zahlen der genannten beiden Kategorien und werden bisweilen, namentlich bei Fonds und Aktien, mit dem Zusatz «bez.v (bezahlt) besonders angegeben. Wo eine entwertete Papiergeldvaluta herrscht, wie seit längerer Zeit in osterreich und Rußland, da erscheint auch ein Kurs des Metallgeldes gegenüber dem Papiergelde und man nennt den Aufschlag des erstern das Gold-oder Silberagio (s. Agio). Liquidationskurs oder Kompensationskurs heißt der zur Erfüllung der Lieferungs⸗ und Differenzgeschäfte in Fonds und Aktien festgestellte K. Vgl. Noback, Münz⸗, Maß⸗ und Gewichtsbucho (2. Aufl., Lpz. 1877); Göschen, «Theorie der auswärtigen Wechselkurses (deutsch von F. Stöpel, Frankf. 1875).