FeedKusch (hebr., ägypt. Kosch)
GeschichteBrockhaus 1882

Kusch (hebr., ägypt. Kosch), alter Name für die Länder südlich von Agypten, insbesondere für das Nilthal bis zur Einmündung des Blauen Nils. Die Könige der zwölften Dynastie (2100 v. Chr.) hatten bereits das nördl. Nubien bis jenseit der zweiten Katarakte unterworfen. In den folgenden Jahrhunderten gingen die nubischen Besitzungen wieder verloren und die Könige der achtzehnten Dynastie (etwa von 1500 bis 1350) mußten die Unterwerfung von neuem beginnen. Thutmosis I. und sein großer Sohn Thutmosis III. (etwa 1500 v. Chr.) dehnten die Grenzen des Reichs bis in den Sudan aus. Von nun an blieb K. ägypt. Provinz, die von einem Vizekönig, „dem Königssohne von K. v, verwaltet wurde. Hauptstadt war Napata unter dem 19. Breitengrad. Als um 1000 v. Chr. die libyschen Söldnerführer die Herrschaft der Priesterkönige in gypten mehr und mehr einschränkten, wanderten vpiele aus dem Geschlecht der thebanischen Hohenpriester nach K. aus und gründeten hier ein eigenes Priesterkönigreich, in dem der König völlig von der Priesterschaft des Amon von Napata abhängig war. Zwei Jahrhunderte später unterwarfen sich diese Athiopenkönige zeitweise Oberägypten, und König Pianchi drang um 775 v. Chr. sogar ins Delta vor. Einer seiner Nachfolger, Schabaka (Sabako) eroberte 728 v. Chr. Agypten definitiv. Aber schon um 670 ward König Taharka von dem Assyrerkönig Assarhaddon besiegt und aus Agypten vertrieben. Ein Versuch seines Nachfolgers Tanuatamun, Agypten wieder zu erobern, blieb ohne dauernden Erfolg. Von hier an fehlt fast jede Kunde über das Land K. Kambyses unternahm von Agypten aus einen Feldzug gegen dasselbe, und Darius 1. zählt es unter seinen Provinzen auf. Etwa in dieser Zeit muß die Hauptstadt von Napata stromaufwarts nach Meroe letwa unter 17²) verlegt worden sein. Dieses jüngere Reich verfiel bald in völlige Barbarei. An Stelle der ägypt. Sprache trat die einheimische, die in besondern Hieroglyphen und in einer alphabetischen Schrift geschrieben wurde; beide sind noch unentziffert. Von der Geschichte dieses spätern Staates ist wenig bekannt. In der ersten Hälfte des 3. Jahrh. v. Chr. machte ein griechisch gebildeter König, Ergamenes, der Priesterherrschaft ein Tamuden Ende. Seine Nachfolger haben zun; eil um den Besitz des nördl. Nubien mit den Römern gekämpft. Um 600 n. Chr. etwa wurde das Reich von dem tchristl. nubischen Staate verdrängt. Unter Kuschiten im weitern Sinne verstand Lepsius die ostafrikanischen nicht semit. Stämme, wie Galla, Somali, Bischariin u. s. w., denen er dann auch die alten Bewohner der arab. Weihrauchländer, die Urbewohner Babyloniens und die Phönizier beigesellte. Er nahm an, daß sie als Seefahrervolk die in den Euphratländern entstandene Kultur in Afrika und Vorderasien verbreitet hätten. Diese Hypothese erregte Aufsehen, wird aber kaum noch von einem Fachmann festgehalten. Vgl. Lepsius, Nubische Grammatike (Berl. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 704Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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