FeedLaffitte (Jacques)
GeschichteBrockhaus 1882

Laffitte (Jacques), namhafter franz. Staatsmann, geb. 24. Okt. 1767 zu Bayonne als Sohn eines Zimmermanns, trat im Alter von 20 J. als Commis in die Dienste des Bankiers Perregaux, der ihn schließlich zum Geschäftsnachfolger ernannte. L. brachte sein Haus zu großem Wohlstande. Napoleon ernannte ihn 1809 led Chef der Bank von Frankreich, 1813 zum Mitglied des Handelsgerichts und Präsidenten der Handelskammer. Im April 1814 erhob * die Provisorische Regierung zum Gouverneur der Bank. Während der Hundert Tage trat L. in die Deputiertenkammer; nach der zweiten Restauration wurde er wiedergewählt. Er gehörte zur Opposition und wurde bei den Wahlen von 1817 von allen 20 Sektionen in Paris zugleich gewählt. Der Hof, über L. erbittert, gab 1819 das Gouvernement der Bank an den Herzog von Gaêta, setzte aber 1822 L. zum Chef ein. L. unterstützte 1824 das Ministerium Villele in der Herabsetzung der Renten und verlor dadurch seine Popularität. In den «Réflexions sur la réduction de la rente et sur l'état du crédito (Par. 1824) suchte er die Maßregel für Staat und Volk als notwendig darzustellen. Trotzdem blieb er in der Opposition und forderte 1827, als das Ministerium Villele den höchsten Grad von Unpopularität exreicht, die Anklage der Minister. Bei Beginn der Julirevolution wurde sein Haus der Mittelpunkt aller einflußreichen Männer, die sich der Bewegung anschlossen, und seine Privatkasse gab die Mittel her, um die Revolution zu fördern. Am 30. Juli wurde der Herzog von Orléans auf L.s Vorschlag zum Generallieutenant des Reichs erklärt. Während sich auf dem Stadthause unter Lafayette aus den republikanischen Elementen eine neue Staatsverfassung organisierte, bewog L. den Herzog, ebendort das Programm der Julirevolution anzuerkennen. Als Präsident der Kammer, die 3. Aug. 1830 zusammentrat, verlas L. am 7. Aug. die Akte, welche die konstitutionelle Monarchie Ludwig Philipps begründete. Inmitten der Gefahren, die der jungen Dynastie drohten, trat er ins Ministerium und geriet hier sogleich mit den Doctrinärs in Konflikt. Am 3. Nov. 1830 übertrug ihm der König die Bildung eines neuen Kabinetts, welches jedoch zufolge seines konservativen Charakters die Masorität der Kammer bald verlor. Am 13. März 1831 legte L. die Verwaltung nieder. Von Gläubigern gedrängt, vom Hofe verlassen, sah er sich genötigt, seine Besitztümer zu veräußern, um 50 Mill. Frs. Schulden zu decken. Noch 1831 trat er wieder als Deputierter von Paris in die Kammer und schloß sich jetzt der Opposition an. Aus den Trümmern seines aur dieWede bildete er 1837 die Discontokasse, die —— die Vereinigung der kleinen Kapitalisten zur Konkurrenz mit den großen berechnet war. Im J. 1843 wählte ihn die Kammer zum Präsidenten. L. starb 26. Mai 1844 und hinterließ eine Tochter, die mit dem ältesten Sohne des Marschalls Ney verheiratet war. Vgl. „Souvenirs de Jacques L.v (3 Bde., Par. 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 742Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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