Lafontaine Daan de), berühmter franz. Fabeldichter, geb. zu Chäteau-Thierry in der Champagne 8. Juli 1621, wurde erst in seinem 19. Jahre, wo er in die Kongregation des Oratoriums trat, zum Studium der Dichter des Altertums und franz. Schriftsteller angeregt und noch später zu eigenen poetischen Versuchen angetrieben. Sein erstes Auftreten mit einer Bearbeitung des Eunuchusd von Terenz (1654) war nicht glücklich. Sein Vater übertrug üm seinen Posten als Maitre des eaux et foréêts und verheiratete ihn. Nach einiger Zeit ließ L. jedoch Amt und Frau im Stich und ging auf Anregung der Herzogin von Bouillon, die eine Zeit lang in Chäteau-Thierry gelebt hatte, nach Paris, wo er Gönner fand, die ihn wie ein unmündiges Kind sein ganzes Leben hindurch leiteten. Namentlich interessierte sich der Intendant Fouquet für ihn, der ihm eine Pension gab, und nach dessen Entfernung von Paris unterstützten ihn Henriette von England, der große Condé, Conti, Vendöme u. a., deren Freigebigkeiten aber den sorglosen Dichter nicht vor täglichen Verlegenheiten schützten, bis ihn Frau von Sabliere in 110 Haus aufnahm und für alle seine Bedürfnisse sorgte. Nach ihrem Tode trat Hervart an ihre Stelle. Im J. 1684 wurde L. in die Akademie aufgenommen. Er starb 13. April 1695. Seine Hauptwerke sind die «Conteso (zuerst 1665) und seine Fableso (Buch 1—6, 1668; Buch 7—11, 1678; Buch 12, 1694). Die eigentümlichen Vorzüge L.s bestehen weder im Besitze einer dichterischen Weltanschauung noch in der Erfindung, sondern in der Darstellung. Seine Fabeln sind dem Stoffe nach meist den Alten, die Erzählungen ital. und franz. Novellisten entlehnt; dagegen ist die Darstellung originell und meisterhaft. Er verband mit der Gabe plastisch anschaulicher Darstellung den Ton harmloser Naivetät und schalkhaften Humor, Eigenschaften, die seine Dichtungen unnachahmlich machen. Ebenso fein konzipiert wie seine Fableso sind seine zum Teil sehr schlüpfrigen „Contes o. Seine übrigen Gedichte sind von untergeordnetem Wert. der den besten unter den zahllosen spätern Ausgaben der Fabeln gehört die von Nodier (4. Aufl., 2 Bde., Par. 1839), sowie die von Lacroir (2 Bde., Par. 1875), der auch (Oeuvres inéditeso und Nouvelles œuvres inédites de L.v, Par. 1863 u. 1868) einiges Ungedruckte aus dem Nachlaß L.s nebst einer Bibliographie von Ausgaben seiner Werke erscheinen ließ, besonders aber die von Henri Regnier in der Sammlung der Grands écrivains de la Francen (Bd. 1 u. 2, 1883 fg.); unter den ebenfalls zahlreichen Ausgaben der Contesꝰ verdienen genannt zu werden die von Pauly (2 Bde., Par. 1868), die illustrierte (2 Bde., Par. 1874 75, mit den Bildern der Ausgabe der Femiers générauxy) und die von Scheuring (2 Bde., Lyon 1874). Erklärt wurden die Fableso von Laun (2 Tle., Heilbr. 1877) und Lubarsch (4 Tle., Berl. 1881—83). Die besten Ausgaben seiner Oeuvreso besorgten Walckenaer (18 Bde., Par. 1819—20; 6 Bde., 1822—23; Bd. 1, 1868), Marty-Laveaux (4 Bde., 1857—60), L. Moland (7 Bde., 1872 fg.) und Pauly (Bd. 1, Par. 1875). Reich an vielen wichtigen Nachweisungen sind die von Robert herausgegebenen «Fables inédites des XIIL, XIII‘ et XIVe siècles et fables de L., rapprochées de celles de tous les auteurso (2 Bde., Par. 1825). L.s Fabeln wurden ins Deutsche übersetzt unter andern von Dohm (mit Illustrationen von Doré, Berl. 1877). Vgl. Saint-Marc Girardin, L. et les fabulisteso (Par. 1867); Taine, XL. et ses fableso (3. Aufl., Par. 1861). amalisch Gntoine, Seigneur d'Aubigny), franz. dramatischer Dichter, geb. 1653 zu Paris, war Sekretär des franz. Gesandten in Florenz, dann des Marquis von Créquy, endlich des Herzogs von Aumont, und starb 2. Nov. 1708. Er verfaßte vier Trauerspiele: Polyxènen (1686), Manlius Callirhoër (1703). Das beste ist Manliuso, eins der berühmtesten franz. Trauerspiele des 18. Jahrh. L. veröffentlichte außerdem eine Übersetzung der Oden Anakreons, ferner Elegien, Idyllen, Epigramme u. s. w. Seine sämtlichen Werke erschienen in zwei Bänden (1747 u. 1811).