Labrnyere (Jean de), vorzüglicher franz. Prosaist, geb. 16. Aug. 1645 zu Paris, war Advokat, dann Schatzmeister zu Caen, wohnte aber in Paris, bis er wahrscheinlich durch Bossuets Empfehlung an den Hof zu Chantilly kam, wo er den Herzog von Bourbon, Enkel des großen Conde, in der inbmdn und Geographie unterrichtete. Er lebte nun bald in Chantilly, bald in Paris und Versailles, wurde im Mai 1693 Mitglied der Akademie und starb zu Versailles 10. Mai 1696. L. war ein wahrer Lebensphilosoph, der keinen andern Wunsch hatte, als ruhig mit seinen Büchern und Freunden leben zu können. Die feinen und treffenden Beobachtungen, welche er an dem vielbewegten Hofe Ludwigs XIV. in Beziehung auf Sitten und Charaktere machte, legte er nieder in dem geist⸗ und witzvollen Werke Les ca-⸗ ractères de Théophraste, traduits dugrec, avecles caractères ou les mœurs de ce siècler (Par. 1688), das später von Coste mit einem Schlüssel zum Verständnis der Anspielungen, welche man darin gesucht hat (3 Bde., Amsterd. 1720 u. öfter), am besten aber von Walckenaer (2 Bde., Par. 1845) und Servois 3 Bde., Par. 1865—82) herausgegeben und von Eitner (Bahrend 1870) ins Deutsche übersetzt wurde. Während Theophrast die a gemeinen Jormen menschlicher Denkart und Sitte schildert, liefert L. Zeichnungen des Individuellen, welche von dem klarsten Verstande durchdacht und mit großer Menschenkenntnis ausgeführt sind. Dazu kommt eine vortreffliche Sprache, deren Feinheit und Glanz den Schilderungen das Gepräge der rhetorischen Vollkommenheit aufdrücken. Dupin veröffentlichte nach dem Tode L.s dessen Dialogues posthumes sur le quiétismep (Par. 1679). Vgl.. und Les moralistes françaiso (Par. 1874½). Labuan, eine kleine Insel an der Nordwestküste von Borneo, vor der Mündung des Bruneiflusses, welche der Sultan von Brunei 18. Dez. 1846 auf Betrieb von Radscha Brooke (s. d.) den Engländern abtreten mußte. Die Insel, 78 qkm groß mit (1881) 6298 E., ist niedrig, mäßig fruchtbar, zum Teil morastig, aber reich an frischem Wasser und bildet für den ind.⸗chines. Seeverkehr, zunächst zwischen Singapore und Hongkong, eine gute Iwischenstation, teils wegen ihrer Lage, teils wegen ihrer ansehnlichen Steinkohlenlager, deren Ausbeutung durch brit. Ansiedler der Dampfschiffahrt sehr zu statten kommt. Labyrinth hießen im Altertum gewisse Gebäude oder unterirdische Felsaushöhlungen, welche viele unter sich zusammenhängende Kammern enthielten und nur einen oder wenige Ausgänge hatten, daher sich der Eintretende leicht verirren konnte. Das Wort galt früher gewöhnlich fur griechisch, jetzt wird von manchen ein ägypt. Ursprung vermutet, der indes auch nicht zu erweisen ist. Die beiden berühmtesten L. sind das kretische und das ägyptische. Jenes ward der Sage nach bei Knossos von Dädaus erbaut und war der Aufenthaltsort des Minotaurus (s. d.), welchen Theseus erlegte, der sich mittels des von Ariadne ihm mitgegebenen Knäuels im L. zurechtfand. Dieses L. existierte aber nur in der mythenbildenden Phantasie; bei Knossos ist nichts Derartiges vorhanden und nur bei Gortyna, wohin aber erst Claudian, ein Dichter des 4. und 5. Jahrh. n. Chr., das L. verlegt, haben sich tief in den Fels hineingeführte Bergwerke gefunden, an welche der Name L. sich knüpfen ließ. Ganz anders verhält es sich mit dem ägyptischen L., von dem uns vorzüglich Herodot, Diodor, Strabo und Plinius Beschreibungen geben. Es lag danach am Mörissee, im östlichsten Teile des heutigen Fayüm (s. d.) in dem arsinoitischen Nomos. Hier liegt die von den Alten erwähnte Pyramide und vor dieser das Ruinenfeld des L. Der ungeheuere viereckige Massenbau wurde durch drei mächtige Gebäudeflügel gebildet, welche um einen innern, etwa 200 m langen, 170 m breiten Raum so gelegt waren, daß die vierte offene Seite des Raums durch eine Seite der Pyramide begrenzt ward. In diesem innern Raume lagen die großen Säulenhöfe oder bedeckten Säulenhallen, welche in den alten Beschreibungen erwähnt werden. Die gegen 100 m breite umgebende Gebäudemasse enthielt aber das eigentliche labyrinthische Gewirr von Kammern und Korridoren. Herodot spricht von 1500 überirdischen und ebenso viel unterirdischen Räumen. Die Pläne, Durchschnitte und Ansichten der heutigen Ruinen sind nach den Aufnahmen der preuß. Expedition vom J. 1843 (Architekt Erbkam) in Lepsius 4Denkmälern aus Agypten und Athiopien „ (Abteil. 1, Berl. 1849) publiziert worden. Herodot gibt an, daß das L. während der von ihm so genannten Zwölfherrschaft, also in der 26. Manethonischen Dynastie im 7. Jahrh. v. Chr. gebaut worden sei. Dagegen wird der Bau der Pyramide und des anstoßenden L. von Diodor einem alten Könige Mendes oder Marros, von Strabo einem Könige Ismandes oder Maindes zugeschrieben, und in den Manethonischen Listen findet sich in der 12. Dynastie ein König Lachares als Labyrintherbauer angeführt. In der That haben die Untersuchungen an Ort und Stelle erwiesen, daß die Pyramide und die Säulenhalle von einem Könige dieser Dynastie, Amenemhet III., um 2100 v. Chr. errichtet wurden. liber die ihrer Pracht von kostbaren Steingewänden und Bildern jetzt gänzlich entkleideten und nur noch aus Resten von schwarzen Ziegelmauern bestehenden Gebäude, welche jene Hallen umgaben, hat sich durch Inschriften nichts feststellen lassen.