FeedLally-Tolendal
GeschichteBrockhaus 1882

Lally-Tolendal (Thom. Arthur, Graf von), ein Opfer der franz. Justiz im 18. Jahrh., gehörte einer ursprünglich irischen Familie an und wurde im Jan 1702 zu Romans in der Dauphiné geboren. Er trat in das irische Regiment und zeichnete sich 174⁴1 in Flandern so aus, daß man für ihn ein zweites irisches Regiment errichtete. Er beteiligte sich 1745 an der Expedition des Prinzen Karl Eduard nach Schottland, kämpfte 1747 wieder in den Niederlanden und wurde 1756 zum Generallieutenant und Generalkommandanten aller franz.⸗ostind. Niederlassungen ernannt. L. kam 1758 an den Ort seiner Bestimmung, eröffnete sogleich den Kampf gegen die brit. Besitzungen und eroberte viele Plätze, mußte sich aber nach einer schweren Niederlage unter den Mauern von Vandarachi auf das bedrohte Pondicheéry zurückziehen. Im März 1760 wurde die Stadt von den Engländern eingeschlossen. Nach einer zehnmonatlichen Belagerung bot er 14. Jan. 1761 dem Feinde eine Kapitulation an; allein der brit. Admiral Coote verwarf den Antrag, und Pondichéry mußte sich 16. Jan. ohne Bedingung ergeben. L. wurde als Kriegsgefangener nach England geschafft, und als er daselbst erfuhr, daß man ihn in Frankreich der Verräterei und Feigheit beschuldigte, wirkte er sich die Erlaubnis aus, zu seiner Rechtfertigung nach Paris zu reisen. Hier wurde er vom pariser Parlament 6. Mai 1766 zur Strafe des Schwertes verurteilt und drei Tage darauf enthauptet. Zehn Jahre später brachte es der besonders von Voltaire unterstützte Sohn L.s dahin, daß Ludwig XVI. die Revision des Prozesses befahl. Obschon das Parlament zu Rouen das Urteil formell richtig erklärte, war doch die Unschuld des Verurteilten so klar erwiesen, daß der König 1778 das Urteil cassieren und die Ehre L.s wiederherstellen mußte. Trophime Gérard, Marquis de L., des vorigen Sohn, geb. 5. März 1751 zu Paris, gehörte 1789 in den franz. Generalstaaten zu denjenigen Adeligen, die sich mit dem dritten Stande verbanden, suchte sich jedoch später dem Hofe wieder zu nähern. Nach den Ereignissen vom 5. und 6. Okt. 1789 ging er nach der Schweiz, kehrte aber 1792 nach Paris zurück und wurde nach der Katastrophe vom 10. Aug. verhaftet; doch verhalfen ihm seine Freunde zur Flucht nach England. Im J. 1797 erschien von ihm Deéfense des émigrés français, adressée au peuple français o (neue Aufl., 2 Bde., Par. 1825), welche großes Aufsehen machte. Nach der Revolution vom 18. Brumaire kehrte er nach Frankreich zurück und lebte zu Bordeaux. Ludwig XVIII. erhob ihn zumStaatsrat und zum Pair. Er starb 11. März 1830.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 757Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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