Lambese oder Lambessa, franz. Strafkolonie seit 1850 in Algerien, Provinz Konstantine, 9,6 Km südöstlich von Batna, am nördl. Fuße des Auresgebirges, 1035 m über dem Meere gelegen. Der kleine Ort, 1849 erbaut, besteht aus einem für 400 gefangene Eingeborene eingerichteten Zellengefängnis, den Wohnungen der Beamten, Kaserne, Kirche, Hospital, Post, sowie wenigen Privathäusern und hat außer den Sträflingen nur 673 E., davon 343 Europäer (1881). Eine traurige Berühmtheit erlangte L. unter dem zweiten Kaiserreich als Deportations⸗ und Strafort für politisch Mißliebige und Kompromittierte. Gegenwärtig gilt es nur noch als Militärstrafanstalt. Der Ort liegt inmitten des Ruinenfeldes der alten Stadt Lambäsis (auch Lambese und Lambäsa genannt). In der röm. Kaiserzeit war letztere röm. Kolonie und Standquartier der dritten Legion, die hier ein 650 m langes und 422 mebreites, von Wall und Türmen umgebenes Lager innehatte. Die Mauern dieses Lagers lieferten die Steine zum Bau des franz. Zellengefängnisses. Dagegen stehen noch die Wände des Prätoriums, das 35,4 m lang und 27,6 m breit aus Quadersteinen aufgeführt und reich verziert ist. Man hat in ihm einen Teil der aufgefundenen Kunstschätze aufgestellt: Marmorstatuen des Jupiter, des Asculap, der Hygiea, Büsten von röm. Kaisern und Kaiserinnen, Sarkophage, Inschriften u. s. w. Sstlich und südlich von dem ehemaligen Lager breitete sich das Glacis aus, das in Nord, Ost und Süd von der Stadt umgeben war. Die Trümmer der Triumphbogen, eines Amphitheaters, das 104m im Durchmesser hat und 10000 Personen fassen konnte, eines Asculaptempels mit dor. Säulen, Tempel der Gesundheit, der Isis, des Serapis u. s. w., buntfarbigen Kalksteinmauern, Mosaiken, Marmortreppen und zahlreichen Statuen, eines Minervatempels, des Kapitols, der Thermen, Cisternen und Aquädukte lassen die Bedeutung und Pracht der alten Stadt erkennen. Sie war Geburtsort Jugurthas und Masinissas. Von den Vandalen im 5. Jahrh. zerstört, blieb die Stätte unter der arab. und türk. Herrschaft unbewohnt und vergessen, bis sie 1844 gelegentlich eines Feldzugs unter dem Herzog von Aumale vom Kommandanten Delamare wieder entdeckt wurde.