Landes (Les Landes) heißen in Frankreich die längs der Küste des Biscayischen Meerbusens zwischen der Gironde und den Pyrenäen in einer Länge von 230 kmund in Dreiecksform 50 90 km landeinwärts sich erstreckenden Sandflächen, welche, unmittelbar am Meere von Salzlachen, Seen und hohen Dünen, im Innern von Heiden, Morästen, hier und da von Weidestrecken und von Oasen mit Fichten und einigen Weilern unterbrochen, einen der ödesten und traurigsten Flecke Europas bilden. Das Ganze hat einen Inhalt von 7213 qlcm. Die mit Schilf eingefaßten Küstenseen (s. Etang) liegen einige 20 m über dem Meeresspiegel. Die Dünen sind 1,7 km breit, 32—70 muhoch, zuweilen durch Thäler, sog. Lettes, zerschnitten, und verändern stets ihre Gestalt durch den Wind, der sie jedes Jahr um etwa 20 m weiter ins Land vorschreiten läßt. Das 1789 auf Neckers Veranlassung begonnene Besäen und Bepflanzen mit Fichten und Korkbäumen hat sich erfolgreich erwiesen. Hinter den dürren Dünenhügeln entfaltet sich ein langer grüner Streifen und ein ungeheuerer Wald von Seefichten und einigen Weiden. Die Unfruchtbarkeit der dahinter folgenden unabsehbaren Heiden hat ihren Hauptgrund in einer harten, aus Quarzsand bestehenden Bodenfläche. Vier Monate im Jahre sind dieselben teilweise mit Wasser bedeckt. Die wenigen Bewohner, Parens genannt, in zerstreuten Dörfern im östl. Theile der L., sind gascognischer Abstammung, führen ein rohes Leben, wohnen in elenden Hütten und laufen auf hohen Stelzen über die Sand⸗ und Wasserflächen hin. Das Departement Landes (des Landes), nach dem der Gironde das größte und eins der volksärmsten Frankreichs, umfaßt die ehemaligen Landschaften Pays-des-Landes, Chalosse und Condomois von Gascogne, einen Teil von Bordelais und Guyenne und ein Stück von Béarn und zählt (1881) auf 9321.,3 gkm 301 143 CE. (gegen 306 693 im J. 1866 Abnahme 1,8 Proz.). Der Adour, welcher hier links den Gabas, Luy, Gave-de-Pau, rechts die aus dem Midour und der Douze gebildete Midouze aufnimmt, bildet die Grenze zwischen dem bei weitem größern Teile im Norden, der fast ganz von Heideflächen, nur hier und da von oasenartigen Kulturflecken eingenommen ist, und dem kleinern im Süden, einem Hügellande, auf dessen leichtem Kreideboden Weinberge (der Wein in Chalosse wird zu Branntwein verwendet), Mais⸗, Hirse⸗ und andere Ackerfelder mit Ericasteppen abwechseln. Man gewinnt im Süden auch mancherlei Bausteine, Marmor, Mergel, Porzellanerde und viel Eisen. Von Bedeutung ist der große Wald des alten Aquitanien, der zwischen Dax und den großen Etangs fast 26 Em Breite hat. Das Departement ist dadurch das waldreichste Frankreichs. Das Klima ist in den Heiden ungeachtet der Nähe des Meers ein wahres Kontinentalklima, eisig im Winter, Luntrdn im Sommer. Neun Monate lang wird die Luft durch die Ausdünstungen stehender Gewässer verdorben. Die Industrie ist unbedeutend. Der Handel wird durch die Schiffbarkeit des Adour, der Midouze, des Gave-de-Pau, sowie durch die Nähe von Bayonne und die Eisenbahn gefördert, welche von Bordeaux nach dem Etang d'Arcachon und von diesem südwärts über Dax nach Bayonne führt, mit Zweigbahnen nach Pau und Tarbes. Man züchtet Pferde und Rinder und führt hauptsächlich Schweine, Schafe, Schinken, Kork, Holz, Teer und Harz aus. Das Departement bildet die Diöcese des Bischofs von Aire und zerfällt in die drei Arrondissements Mont-de-Marsan, St.⸗Sever und Dax, in 28 Kantone und 333 Gemeinden. Hauptstadt ist Mont-de-Marsan (s. d.).