FeedLaon (spr. Lahng)
ErdkundeBrockhaus 1882

Laon (spr. Lahng), Hauptstadt des franz. Depart. Aisne, in der zur ehemaligen Picardie gehörigen Landschaft Laonnais, Kriegsplatz zweiter Klasse, Station der Linien Tergnier-L., Paris-Soissons-L. und L.⸗Anor der Nord- und der Linie Epernay-L. der Ostbahn, 140 km im Nordosten von Paris auf einem isolierten, von einer großen, fruchtbaren Ebene umgebenen, 188 m hohen Berge gelegen, zählt (1876) 12036, als Gemeinde 12 139 CE., wird von einer einzigen, ziemlich breiten Straße durchschnitten und hat terrassenförmige Boulevards so- wie fünf Vorstädte. Sie besitzt eine große, im 11. und 12. Jahrh. erbaute Kathedrale (Notre-Dame) mit vier Türmen, ein Gemisch roman. und got. Stils, gleichwie die Kirche St.⸗Martin, einen bischöfl. Palast, jetzt Justizpalais, eine große Zahl aus dem Mittelalter stammender Häuser, die gegründete Benediktinerabtei St.⸗Vincent, die jetzt die Jesuiten bewohnen, ein schönes, modernes Stadthaus an der Stelle des alten Turms von König Ludwig IV. d'Outre-Mer und ein ziemlich hübsches Theater. L. hat einen Gerichtshoferster Instanz, einen Assisenhof und ein Friedensgericht, ein Kommunal-Collége, ein Lehrerseminar, eine wertvolle öffentliche Bibliothek von 30000 Bänden mit 475 Handschriften und mehr als 2000 Autographen von König Lothar an (972), eine Akademische Gesellschaft mit einer Kunst- und Altertümersammlung. Auf dem großen Platz steht seit 1861 eine Statue des Marschalls Sérurier. Die Bevölkerung produziert Leinwand und Strumpfwaren, Wolldecken und grobes Tuch, Hüte, Scheffel und Siebe, Kessel, Pumpen, Nudeln u. s. w.; auch ist L. Mittelpunkt für den Handel der Gewebe von St.⸗Quentin, der Eisen⸗ und Blechwaren von Folembray, der. Spiegel und Glaswaren von St.-Gobain. Geschichtlich denkwürdig ist L. besonders durch den Sieg, welchen hier Blücher 9. und 10. März 1814 über Lerbüundet davontrug, wodurch der Krieg für die Verbündeten die letzte, entscheidend günstige Wendung erhielt. (S. Russisch-Deutsch-Französischer Krieg.) Im Deutsch-Französischen Kriege wurde es 8. Sept. 1870 von den Deutschen cerniert und ergab sich 9. Sept. Nach der Besetzung sprengten die Franzosen vertragsbrüchig das Pulvermagazin der Citadelle, wodurch 70 Deutsche und 500 franz. Mobilgarden getötet und verwundet wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 812Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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