FeedLaotse
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Laotse, der tiefsinnigste, aber zuweilen auch dunkelste Philosoph oder Theosoph der Chinesen, unter dessen Firma die schon lange zu Gauklern herabgesunkene Sekte der Tao-sze (Lehrer des Tao) viele Jahrhunderte hindurch sich in Ansehen erhalten hat. Diese erklären ihn für eine Gottheit in Menschengestalt, daher man eine mythische und eine histor. Biographie des L. hat, der eigentlich Li Pe-yang hieß (Lao-tsze bedeutet altes Kind, weil er angeblich bärtig zur Welt kam). Als älterer Zeitgenosse des Confucius, der ihn bewunderte ohne ihn zu verstehen (wie es auch den Tao-sze ergangen), um 565 v. Chr. in der heutigen Provinz Ho-⸗nan geboren, schrieb er das berühmte Werk «Tao-te-kingo (Kanon des Tao und der Tugendo), welches einen ganz leidenschaftslosen, beschaulichen und solchergestalt dem ewigen und unbegreiflichen Tao (rechter Weg, Urvernunft) nachstrebenden Wandel als würdigste Aufgabe der Sterblichen empfiehlt, während Confucius nur die patriarchalische Vorzeit wiederherstellen will. Dieser hält es mit Brauch und Gesetz, L. dagegen strebt dahin, selbst den Begriff des Gefetzlichen zu tilgen. Die erste übersetzung seines Werks versuchte Stanislas Julien, Le livre de la Eindringen in den Geist des L. zeugt die deutsche voie et de la vertu (Par. 1842). Von tieferm Übersetzung Victor von Strauß' (Lpz. 1870). Außerdem wurde das Buch übersetzt von R. von 57½½½½ (Lpz. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 813Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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