La-Rochelle, Larochelle, Seehafen, Kriegshafen zweiter Klasse und Hauptstadt des franz. Depart. Charente-Inférieure, an einem kleinen Meerbusen des Atlantischen Oceans, dem Pertuis d'Antioche, gegenüber der Insel Ré, Station der Linien Nantes-Coutras und St.⸗Benoit-L. der Französischen Staatsbahnen, hat, ungeachtet der Verschönerung durch neuere Bauten, doch noch zum Teil die Physiognomie früherer Jahrhunderte, breite Straßen, darunter viele mit Arkaden, und an der Place d Armes einen der schönsten Plätze Frankreichs (2700m im Quadrat). Unter den acht Kirchen befindet sich eine protestantische von 1706, eine Kathedrale, ein 1780 begonnener plumper Bau im griech. Stil, mehrere Kapellen und Klöster. Außerdem sind zu bemerken das 1486—1607 erbaute Rathaus im got. Stil, der etwas schwerfällige Justizpalast von 1683, eine imposante Börse, ein berühmtes Arsenal, die schöne Promenade Du Mail und seit 1827 höchst elegante Seebäder. Die Stadt ist der Sitz eines Bischofs (seit 1652), hat einen Gerichtshof erster Instanz, ein Handels⸗ und zwei Friedensgerichte, eine Akademie für Litteratur und Wissenschaft, ein Lyceum, ein geistliches Seminar, eine hydrographische und eine Navigationsschule, eine Schwimmschule, eine schöne öffentliche Biblio-Nat von 25000 Bänden, eine Gemäldegalerie, ein Naturalienkabinett, einen botan. Garten, eine Ackerbau⸗ und Handelskammer, Gesellschaften für Landwirtschaft, Medizin, Litteratur und Philharmonie und verschiedene Kranken⸗ und Wohlthätigkeitsanstalten. Die Einwohner, deren Zahl sich 1881 auf 20028 belief, betreiben starke Fischerei und Sardinenbereitung (Bereitung der Sardines à Phuile in vier Anstalten, jährlich 200000 Kg), Glas⸗ und Fayencefabrikation, Eisen⸗ und Kupfergießerei, Brauerei, Weberei, Zuckerraffinerie, Schiffbau und lebhaften Handel mit Branntwein, Fischen, Austern, Getreide, Bauholz und Kolonialwaren. Import und Export erreichen jährlich über 50000 t, der Küstenhandel das Doppelte. Die Festungswerke der Stadt sind von Vauban angelegt. Der Hafen ist einer der sichersten an der ganzen franz. Westküste, bequem, durch den weit ins Meer vorspringenden, 1454 m langen Richelieu-Damm geschützt, seit 1861 durch ein neues Bassin erweitert und durch den seit 1863 in Angriff genommenen Kanal von Rochelle nach Marans mit dem Sevrebecken verbunden. Die Gründung der Stadt reicht in das 10. Jahrh. zurück. Philipp II. 9. 109 gewährte ihr mehrere Privilegien. Am 30. Nov. 1215 wurde sie von den Engländern, 3. Aug. 1224 von Ludwig VIIIè. erobert, im Vertrage zu Bretigny 1360 an erstere abgetreten, aber 15. Aug. 1372 kapitulierte sie an König Karl V. Seit der Einführung der Reformation 1557 stark befestigt, erlangte die Stadt als Mittelpunkt und Hauptbollwerk der Hugenotten eine große Wichtigkeit. Am 24. Juni 1573 wurde sie, nachdem seit Dez. 1572 20 heftige Angriffe, 9 Hauptstürme abgeschlagen, 70 Minen vergeblich gesprengt und 12000 Mann des königl. Heers gefallen waren, den Katholiken übergeben, worauf der den Protestanten günstige Friede von La-Rochelle abgeschlossen ward. (S. Hugenotten.) Sie blieb auch ferner der Mittelpunkt der prot. Opposition, bis sie nach hartnäckiger Belagerung durch Richelieu vom 10. Aug. 1627 bis 28. Okt. 1628 den Katholiken in die Hände fiel, womit der Untergang der reform. Partei entschieden war. L. ist Geburtsort des Physikers Réaumur und des Naturforschers Aimé Bonpland.