FeedLateral (lat.)
ReligionBrockhaus 1882

Lateral (lat.), seitlich, seitwärts gelegen; Late-⸗ ralerben, Seitenerben; Lateralverwandte, Seitenverwandte. Lateräan, ein Platz und Palast in Rom, nach der altröm. Familie Lateranus, welche bis auf die Zeit des Kaisers Nero im Besitz der daselbst erbauten Gebäude war, benannt. Nero ließ den letzten Besitzer, Plautius Lateranus, hinrichten und eignete sich dessen Güter zu, wodurch auch der Lateranische Palast kaiserl. Eigentum wurde. Ob indessen der von Juvenal und Capitolinus erwähnte herrliche Palast der Lateraner eben jener war, ist nicht sicher. Kaiser Severus schenkte den Palast seinem Freunde Lateranus; später richtete Konstantin d. Gr. eine Kirche in demselben ein und schenkte ihn dem röm. Bischof. Die Päpste residierten nun im L., bis sie ihren Sitz nach Avignon verlegten; nach ihrer Rückkehr wählten sie den Vatikan zur Residenz. L. nennt man gewöhnlich auch die neben diesem Palaste erbaute Kirche des heil. Johannes, welche nicht allein die Hauptkirche Roms ist, sondern auch für die Mutter und das Haupt aller Kircheno gilt und durch hohes Altertum wie durch ihre Bauart, durch Reichtum seltener Reliquien und das Andenken der daselbst seit 1123 gehaltenen Kirchenversammlungen (s. Lateransynoden) sich auszeichnet. über ihrem Portal ist der Balkon, von welchem herab der Papst am Himmelfahrtstage dem Volke den Segen erteilte. Die jetzige, aus den J. 1560—1746 stammende Laterankirche ist auf den Mauern der ältern, vom Papst Sergius III. angelegten Kirche erbaut, die ihrerseits an die Stelle der alten Konstantinischen Basilika trat; mit ihr steht die Taufkapelle in Verbindung, San-Giovanni in konte genannt, deren Kuppel von acht porphyrnen Säulen getragen wird, die für die schönsten in Rom gelten. In dem Palast des L., der seine jetzige Gestalt 1586 erhielt, befindet sich seit 1843 die reiche lateranensische Antikensammlung; den Platz vor demselben schmückt seit 1588 der ursprünglich durch Tutmes III. (1597 — 1560 v. Chr.) vor dem Sonnentempel zu Theben in Agypten, durch Kaiser Constantius 357 im Circus maximus aufgerichtete Obelisk mit Hieroglyphen, der größte in Rom (32 m, mit Postament 47 m hoch). Auf dem Lateransplatze befindet sich ferner noch die Kapelle, welche die Scala santa umschließt, eine Marmortreppe von 28 Stufen, die aus dem Hause des Pilatus zu Jerusalem herrühren soll und auf der die Gläubigen kniend hinaufrutschen. Der Lateranische Palast hat nebst dem Vatikan und Castel Gandolfo durch das Garantiegesetz vom 13. Mai 1871 das Privilegium der Exterritorialität erhalten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 833Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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