FeedLauriston
GeschichteBrockhaus 1882

Lauriston (Alexandre Jacques Bernard Law, Marquis de), Marschall und Pair von Frankreich, ein Enkel von Will. Law, der nach dem Sturze des Finanzsystems seines Bruders Jean Law in Frankreich geblieben; den Namen L. führte er nach einer Besitzung der Familie Law, Lauriston-Castle, am Clyde bei Edinburgh. L. wurde 1. Febr. 1768 zu Pondichéry geboren, war Napoleons Gefährte auf der Artillerieschule zu Brienne und schon 1795 Artillerieoberst. Bonaparte wählte ihn 1800 zum Adjutanten und übertrug ihm kurz darauf als Brigadegeneral das Kommando über die Artillerieschule zu Lafere. Im April 1801 erhielt L. eine diplomatische Sendung nach Dänemark, wohnte dem engl. Angriff auf Kopenhagen bei und überbrachte im Okt. 1802 die Ratifikation des Friedensvertrags dem londoner Hofe. Er wurde dann als Kommandant des Artilleriedepöts nach Piacenza versetzt. Nach der Schlacht bei Austerlitz zum Divisionsgeneral ernannt, nahm er Besitz von Venedig und von der Republik Ragusa, die er gegen die Russen und Montenegriner tapfer verteidigte. Im J. 1808 ing er mit dem Kaiser nach Spanien. Er befehigte 1809 unter dem Vizekönig von Italien in Ungarn, wo er nach dem Siege 14. Juni die Stadt Raab 24. Juni einnahm. In der Schlacht bei Wagram trug L. an der Spitze der Gardeartillerie wesentlich zur Entscheidung bei. Nach dem Frieden verhandelte er in Wien die Vermählung des Kaisers mit der Erzherzogin Marie Luise, wofür er den Grafentitel erhielt. Im J. 1811 ging er als Gesandter nach Petersburg und übernahm nach Ausbruch des Kriegs 1812 in Smolensk ein Kommando in der Großen Armee, deren Nachhut er während des Rückzugs befehligte. Im Feldzuge von 1813 führte und organisierte er das 5. Armeekorps, besetzte Leipzig am Tage der Schlacht bei Lützen und kam zu der Schlacht bei Bautzen mit Ney, wo er den linken Flügel' der feindlichen Stellung umfaßte und schlug. Nach dem Waffenstillstand verlor er jedoch mit Macedonald die Schlacht an der Katzbach und wurde bei Leipzig, wo er 18. Okt. im Centrum, bei Stötteritz und Probstheida, kommandiert hatte, nach Sprengung der Elsterbrücke gefangen. L. blieb bis zum Frieden in Berlin. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er von Ludwig XVIII. zum Kapitänlieutenant der Mousquétaires gris in der Maison du Roi ernannt und, da er sich während der Hundert Tage Napoleon nicht angeschlossen, 1815 zum Pair und Kommandanten der 1. Division der Gardeinfanterie erhoben. Er war Mitglied der Kommission, welche das Betragen aller Offiziere während der Hundert Tage untersuchen sollte, wurde 1817zum Marquis ernannt und übernahm 21.Febr. 1820 das Ministerium des königl. Hauses, erhielt 1821 den Marschallsstab und 1823 beim Zuge nach Spanien das Kommando des 2. Reservekorps, mit welchem er Pamplona nahm. Im J. 1824 zog er sich von allen öffentlichen Geschäften zurück und starb 10. Juni 1828 zu Paris.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 852Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6