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MusikBrockhaus 1882

Laut nennt man im allgemeinen jeden bei bestimmter Stellung der Organe des Mundes und Kehlkopfes mit Hilfe des Respirations⸗(Atmungs⸗) stroms erzeugten Schall, sei es Klang (Ton) oder Geräusch. Zur Erzeugung eines Lautes sind notwendig: der durch die Atmungsorgane erzeugte Luftstrom, eine schallbildende Hemmung desselben im Kehllopfe oder dessen Ansatzrohr (d. h. Rachen⸗, Mund- und Nasenhöhle) durch Verschluß oder Verengung, endlich ein durch dieses Ansatzrohr gebildeter Resonanzraum, der dem Schall eine bestimmte Färbung gibt. Die Stellungen, welche die Organe zu der erwähnten Hemmung einnehmen, heißen Artikulationen, der bestimmte Ort, wo die Hemmung stattfindet, die Artikulationsstelle des L. (in dem Begriffe „Lauto liegt demnach bereits das Artikuliertsein). Die von den so erzeugbaren L. in der menschlichen Sprache verwendeten heißen Sprachlaute, die von diesen in einer bestimmten Sprache vorkommenden bilden den Lautbestand derselben. Die Lehre von der Erzeugung, der besondern Art und dem Verhältnis der L. zueinander heißt Phonetik (vom griech. phonos, Lauto) oder Lautphysiologie; unter Lautlehre versteht man die Darstellung des Lautbestandes einer einzelnen Sprache oder Sprachengruppe und seiner Modifikationen. Eine Hauptaufgabe der Phonetik ist die systematische Einteilung der Sprachlaute. Ihrem akustischen Wesen nach zerfallen die Laute in Sonore (reine Stimmlaute), d. h. durch die tönenden Schwingungen der Stimmbänder des Kehlkopfs erzeugte, durch die Stellung des Ansatzrohres nur modifizierbare Laute (dahin gehören die Vokale, aber auch ihrem eigentlichen Wesen nach r, I n, m, 3(i consonans), v(u consonans) und Geräuschlaute, erzeugt durch den an der betreffenden Artikulationsstelle des Ansatzrohrs (selten des Kehlkopfs) in der Form des Geräuschs (im Gegensatz zu Ton und Klang) hervorgerufenen Schall (dahin gehören die Konsonanten mit Ausnahme voner, I. m, n, j, v). Von den Konsonanten können indes einige außer dem charakteristischen Geräusche noch von einem Mittönen der Stimme begleitet sein, die sog. mediae (z. B. b. g); man nennt sie daher auch tönende Geräuschlaute. In Bezug auf die Artikulationsstelle sind zu unterscheiden die Artikulationen des Kehlkopfs (auf diesen beruhen die Sonorlaute: mit in Betracht kommen dieselben bei den tönenden Konsonanten; Geräuschlaute des Kehlkopfs sind und der spiritus lenis) und des Ansatzrohrs; bei den letztern sind als wesentliche Gruppen zu unterscheiden: die Lippenlautel Labiale), Verschluß oder Enge werden gebildet durch die beiden Lippen oder durch Oberlippe und Unterzähne (b, p, fu. a.); Zahnlaute (Dentale), Verschluß oder Enge gebildet durch die Zungenspitze und die Zähne oder die Alveolen der Oberzähne oder den harten Gaumen (hierher gehören die mannigfachen Arten der t⸗ und d⸗ wie s-Laute); die Gaumenlaute (Palatale), Verschluß oder Enge gebildet durch den mittlern Zungenrücken und den harten Gaumen (hierher z. B. im Deutschen das K, g vor e, i, das ch von ich); die Kehllaute (Gutturale), Verschluß oder Enge gebildet durch den hintern Zungenrücken und den weichen Gaumen (k, g vor a und andern sog. harten Vokalen, ch in ach u. a.). Jede dieser Abteilungen zerfällt in Unterabteilungen, je nachdem die betreffenden L. durch Verschluß gebildet werden (momentane oder Explosivlaute, z. B. K., t, g, d u. s. w.) oder durch Enge (Spiranten, z. B. 8, f, w), ferner je nachdem sie reine Geräuschlaute sind (tonlose Konsonanten), oder begleitet von Stimmton (tönende Konsonanten). Manche Sprachen haben auch aspirierte Konsonanten oder Asbiratae. (S. Konsonant.) Die gewöhnliche Einteilung der L. in Vokale und Konsonanten, welche für die praktische Grammatik immer die wichtigste bleiben wird, beruht nicht auf rein lautphysiol. Momenten, sondern auf der Verwendung der L. zur Silbenbildung: man unterschied L., die selbständig eine Silbe bilden können, von solchen, die nur in Begleitung eines der erstern eine Silbe bilden (daher con-sonans); da nun in den meisten früher grammatisch behandelten Sprachen nur die gewöhnlich sog. Vokale (a, e, i, o, u u. s. w.) als Silbenträger erscheinen, standen diesen alle andern als Konsonanten gegenüber; allein von diesen Konsonanten können r, I, m. n u. a. ebensowohl Silbenträger sein und sind es in manchen Sprachen, z. B. böhmisch vrch (Gipfel), xIk (Wolf), daher man auch vontr, Iu. s. w. vocalis (sonans) spricht im Gegensatz zur, Uu. s. w. consonans. Vgl. Bruücke, «Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachlautev (2. Aufl., Wien 1876); Sievers, Grundzüge der Phonetiko (Lpz. 1881), wo die Litteratur ausführlich angegeben 15

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 856Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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